Pharmadialog: AOK fordert rasche Reform bei Preisbildung für neue Arzneien
Der AOK-Bundesverband pocht auf eine Reform des Preisbildungsverfahrens für neue Medikamente. „Der Zusatznutzen bei vielen dieser sehr teuren Arzneimittel ist oft unklar“, sagte AOK-Vorständin Carola Reimann anlässlich des heutigen Pharmadialogs der Bundesregierung. Fehlende Evidenz sei eines der Kernprobleme der bestehenden frühen Nutzenbewertung im Rahmen des Arzneimittelmarktneuordnungsgesetzes (Amnog).
Der Pharmadialog war Ende 2025 gestartet worden, um Deutschland als innovativen Pharma-Standort zu erhalten und die Versorgungssicherheit zu stärken. Das heutige Treffen von Industrie, Verbänden und Politik beschäftigt sich unter anderem mit der Nutzenbewertung von Arzneimitteln und der Weiterentwicklung des Amnog-Verfahrens. Dies war 2011 eingeführt worden, um eine Balance zwischen Innovation und Bezahlbarkeit von Arzneimitteln zu schaffen.
Das „Grundprinzip, wonach nur der Mehrnutzen eines neuen Arzneimittels auch höhere Preise und mehr Ausgaben rechtfertigt, gerät zunehmend aus dem Lot“, kritisierte Reimann. Die Anzahl an Therapien mit dünner Datenlage bei Zulassung im Vergleich zum bisherigen Therapiestandard steige.
Reimann listete auf, Arzneimittel seien mit 59,3 Milliarden Euro 2024 der zweitgrößte Ausgabenposten in den gesetzlichen Kassen gewesen. Hauptkostentreiber mit 54 Prozent der Ausgaben seien dabei patentgeschützte Produkte, die unter das Amnog fielen. In der Folge würden „zig Milliarden Euro an Beitragsgeldern für neue Medikamente ohne belegten Zusatznutzen ausgegeben“. Auch für sogenannte Orphan Drugs solle eine Vollbewertung im Amnog-Verfahren durchgeführt werden, forderte Reimann. Bundesgesundheitsministerin Nina Warken (CDU) hatte bei der Vorstellung ihres Sparpakets betont, die Ausgaben der Kassen müssten einen „nachweisbaren Nutzen“ haben.
Zuletzt hatte der in Deutschland hohe Preis des Brust- und Lungenkrebsmedikaments Keytruda (Pembrolizumab) für Debatten gesorgt. Die Kosten des Präparats des US-Pharmakonzern Merck liegen hierzulande bei über 94.000 Euro für eine Jahrestherapie. Kritiker führen an, die Firma könne deshalb so hohe Preise verlangen, weil der Hersteller im Zuge des Amnog-Verfahrens in den ersten sechs Monaten nach Marktzulassung den Preis diktieren dürfe. (at)
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