Abgeordnete pochen auf Freiwilligkeit bei Organspende
In der Debatte zur Organspende haben heute Abgeordnete von Union, SPD, Grünen und Linken für ihren Antrag geworben, der die Freiwilligkeit bei der Organspende sichern soll. Statt einer Widerspruchsregelung forderten sie mehr Aufklärung, verbesserte Strukturen in Kliniken, ein barriereärmeres Organspenderegister und eine langfristige Informationskampagne in Zusammenarbeit mit dem Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit. „Schweigen darf in einer so persönlichen Regelung nicht Zustimmung sein“, machte Grünen-Politikerin Kirsten Kappert-Gonther bei der Vorstellung ihres fraktionsübergreifenden Gruppenantrags deutlich.
Eine Informationskampagne müsse gut konzipiert sein, damit sie „auch Menschen erreicht, die Hürden haben, was Teilhabe anbelangt“, sagte Kappert-Gonther. Die hohe Zahl von 80 Prozent der Menschen, die zur Organspende bereit seien, erreiche man nicht durch bürokratische Schreiben von Krankenkassen, bekräftigte Michael Brand (CDU). „Wir alle sind mit Handy im Internet und auf Social Media unterwegs.“ Die Widerspruchslösung klinge im Kopf einfach, führe in der Praxis aber zu erheblichen Problemen. „Sie ist ein typischer Kurzschluss.“
Auch Stephan Pilsinger (CSU) wandte sich gegen die Erwartung, eine Widerspruchsregelung führe automatisch zu mehr Organspenden. Wissenschaftliche Studien des Max-Planck-Instituts und der Universität Hamburg zeigten, dass die Regelung zwar die Zahl der potenziellen Spender erhöhe, aber keine signifikante Steigerung der tatsächlichen postmortalen Spenden bewirke und Lebendspenden sogar zurückgehen könnten. Lars Castellucci (SPD) warnte davor, den „schwarzen Peter“ den Ärztinnen und Ärzten in den Kliniken zuzuschieben. Er verwies darauf, dass in vielen Ländern, in denen eine Widerspruchsregelung gelte, ausdrücklich noch einmal der Wille der Angehörigen abgefragt werde. „Nur durch eine Atmosphäre des Gehörtwerdens und des Sich-Einfühlens schaffen wir eine Kultur, in der die Freiwilligkeit der Organspende dann auch zu dem gewünschten Erfolg führen wird, nämlich dass Organe gerne und freiwillig gespendet werden.“
Eine interfraktionelle Gruppe um Sabine Dittmar (SPD) hatte kürzlich Vorschläge für eine Widerspruchslösung vorgestellt. Durch die Widerspruchsregelung würden alle Volljährigen, die nicht widersprochen haben, automatisch als potenzielle Organspenderinnen und Organspender gelten. Auch der frühere Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach dringt auf deren Einführung. „Es ist nicht zu viel verlangt, wenn diejenigen, die keine Organe spenden wollen, sich in eine vorhandene sichere Datenbank als Nicht-Spender eintragen lassen“, sagte der SPD-Politiker der „Rheinischen Post“.
Beide Gruppen wollen zunächst eine Orientierungsdebatte im Bundestag. Ob auch eine erste Lesung vor der Sommerpause möglich ist, sei nicht „seriös“ zu sagen, sagte Kappert-Gonther. Bislang gilt in Deutschland die Zustimmungslösung. Eine Organentnahme ist nur möglich, wenn die verstorbene Person zu Lebzeiten zugestimmt hat oder Angehörige nach deren mutmaßlichen Willen entscheiden. (ts)
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