Update

Onkologie unter Druck: Verbände fordern Handeln der Politik

18.02.2026 2 Min. Lesedauer

Steigende Krebszahlen, Fachkräftemangel und Finanzdefizite setzen die Onkologie unter Druck. Zum Auftakt des 37. Deutschen Krebskongresses in Berlin mahnten die Deutsche Krebsgesellschaft und die Deutsche Krebshilfe heute verbindlichere Qualitätsvorgaben, mehr Vernetzung, bessere Prävention sowie eine gezielte Nachwuchsförderung an. Es gehe darum, wie die Krebsmedizin „unter diesen Voraussetzungen zukunftsfest“ aufgestellt werden könne, sagte Kongresspräsidentin Anke Reinacher-Schick.

Erforderlich seien die interdisziplinäre und sektorenübergreifende Zusammenarbeit, eine stärkere Patientenzentrierung sowie eine auf Risikogruppen ausgerichtete Früherkennung. Zudem brauche es junge Talente, etwa bei der Entwicklung von KI-Modellen. 

„2026 ist ein wichtiges Jahr für die Gesundheitspolitik – jetzt müssen die Weichen für ein bezahlbares System gestellt werden,“ betonte Michael Ghadimi, Präsident der Deutschen Krebsgesellschaft. Dafür müsse die Krankenhausreform nachgebessert werden. Andernfalls drohe, dass Krebspatienten weiter in nicht ausreichend qualifizierten Kliniken behandelt würden. Das geplante Krankenhausreformanpassungsgesetz (KHAG) lasse auf Länderebene zu viele Ausnahmen von Qualitätsvorgaben zu. Die Standards zertifizierter Krebszentren müssten verbindlich verankert und Strukturen stärker zentralisiert werden: „Alles andere wäre Etikettenschwindel bei der Klinikreform.“

Gerd Nettekoven, Vorstand der Deutschen Krebshilfe, forderte, Krebserkrankte zunächst in einem Comprehensive Cancer Center oder zertifizierten Krebszentrum zu behandeln. Dort sei eine „qualitätsgesicherte, leitliniengerechte Therapie“ gewährleistet. Ansonsten drohten „Qualitätsprobleme“. Zentren und Praxen müssten zudem besser vernetzt werden. 40 Prozent aller Krebserkrankungen seien durch eine gesunde Lebensweise vermeidbar – dafür brauche es „ein Umdenken vor allem in der Politik“.

Jeder zweite Mensch in Deutschland erkrankt im Laufe seines Lebens an Krebs. Bis 2040 wird die Zahl der Neuerkrankungen in der EU laut der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung um 18 Prozent gegenüber 2022 steigen. Therapeutisch gewinnt die personalisierte Medizin weiter an Bedeutung. Man gehe „weg von der Chemotherapie mit der Gießkanne hin zur gezielten Therapie für jeden Einzelnen“, so Reinacher-Schick. Sascha Dietrich, Direktor der Klinik für Hämatologie, Onkologie und Klinische Immunologie am Universitätsklinikum Düsseldorf, verwies auf Immuntherapien und therapeutische Krebsimpfungen. Ziel sei es, durch Kombinationen moderner Ansätze „die volle Power des Immunsystems“ zu nutzen. (sr)

Optionale Felder sind gekennzeichnet.

Beitrag kommentieren

Alle Felder sind Pflichtfelder.

Datenschutzhinweis

Ihr Beitrag wird vor der Veröffentlichung von der Redaktion auf anstößige Inhalte überprüft. Wir verarbeiten und nutzen Ihren Namen und Ihren Kommentar ausschließlich für die Anzeige Ihres Beitrags. Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht, sondern lediglich für eventuelle Rückfragen an Sie im Rahmen der Freischaltung Ihres Kommentars verwendet. Die E-Mail-Adresse wird nach 60 Tagen gelöscht und maximal vier Wochen später aus dem Backup entfernt.

Allgemeine Informationen zur Datenverarbeitung und zu Ihren Betroffenenrechten und Beschwerdemöglichkeiten finden Sie unter https://www.aok.de/pp/datenschutzrechte. Bei Fragen wenden Sie sich an den AOK-Bundesverband, Rosenthaler Str. 31, 10178 Berlin oder an unseren Datenschutzbeauftragten über das Kontaktformular.