Update

OECD erwartet bis 2040 EU-weit deutlich mehr Krebsfälle

03.02.2026 3 Min. Lesedauer

In den 27 Ländern der Europäischen Union (EU) verzeichnet die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) immer mehr Krebserkrankungen. Seit 2000 sei die Zahl bei Frauen und Männern um etwa 30 Prozent gestiegen. Schätzungen zufolge sei bis 2040 im Vergleich zum Jahr 2022 ein weiterer Anstieg von 18 Prozent zu erwarten. Als Auslöser für Krebs hat die Internationale Agentur für Krebsforschung (IARC) jetzt auch Umweltverschmutzungen in ihren aktualisierten Kodex mit 14 Handlungsempfehlungen aufgenommen. Ein positiver Trend zeichnet sich bei den zertifizierten Krebszentren hierzulande ab.

Das deutsche Krebsforschungszentrum (DKFZ) fordert angesichts der Entwicklung eine „konsequente Präventionspolitik“. Von den rund 520.000 Krebsdiagnosen 2023 allein in Deutschland wären zwei von fünf dieser Erkrankungen durch gesundheitsbewusstes Verhalten vermeidbar gewesen, so der Vorsitzende Michael Baumann. „Viele der Schicksale könnten durch Prävention und Früherkennung verhindert oder deutlich abgemildert werden.“ Gerd Nettekoven, Vorstand der Deutschen Krebshilfe, ergänzte: „Es bedarf einer Gesetzgebung, die gesunde Lebensräume für alle schafft.“ Die aktualisierten Handlungsempfehlungen der IARC seien dafür ein wichtiges Instrument. 

Laut IARC beinhaltet ein krebsvorbeugender Lebensstil unter anderem den Verzicht auf Alkohol, Tabak sowie Vapes. Präventiv wirkten eine ausgewogene Ernährung, regelmäßige Bewegung, ein gesundes Körpergewicht sowie Schutz vor UV-Strahlung. Erstmals richtet sich die IARC ausdrücklich an die Politik und fordert wirksame gesetzliche Maßnahmen, damit gesunde Entscheidungen im Alltag leichter fallen. 

Den Handlungsbedarf zeigen die OECD-Daten: Europaweit gab es allein im Jahr 2024 2,7 Millionen neue Krebsfälle. Besonders bei jungen Frauen stieg die Rate der neuen Diagnosen im Verhältnis zur Bevölkerung in den vergangenen zwei Jahrzehnten um 16 Prozent, vor allem getrieben von Schilddrüsen-, Brust-, Hautmelanom- und Darmkrebs. Entsprechend haben sich die krebsbedingten Gesundheitsausgaben in der EU seit 1995 auf 120 Milliarden Euro im Jahr 2023 verdoppelt.

Auch wenn die Mortalitätsrate in den vergangenen 20 Jahren um zwölf Prozent zurückgegangen sei, wie OECD-Expertin Caroline Berchet bei der Vorstellung der Analyse Montagabend im Gesundheitsausschuss des Europaparlamentes ausführte, spielten Landeszugehörigkeit und sozialer Status eine große Rolle. Versorgungslücken führten zu verzögerten Diagnosen und verpassten Behandlungschancen. Berchet mahnte daher zu „mehr Engagement bei der Vorsorge“. 

Berchet zeigte auch auf, dass es sogar innerhalb eines Landes Unterschiede gebe. Zur Verbesserung der Situation nennt die OECD unter anderem eine systematische Qualitätssicherung wie nationale Akkreditierungs- und Zertifizierungssysteme. In Deutschland gibt es hier Fortschritte, denn die Zahl der im AOK-Gesundheitsnavigator angezeigten zertifizierten Krebszentren ist seit Anfang 2025 von 3.234 auf 3.426 gestiegen. Für eine Zertifizierung müssen Kliniken bestimmte Qualitätskriterien erfüllen, daher sollte diese für Patientinnen und Patienten „das entscheidende Kriterium“ bei der Auswahl der Klinik sein, betonte AOK-Verbandschefin Carola Reimann anlässlich des Weltkrebstages am Mittwoch. (imo)

Optionale Felder sind gekennzeichnet.

Beitrag kommentieren

Alle Felder sind Pflichtfelder.

Datenschutzhinweis

Ihr Beitrag wird vor der Veröffentlichung von der Redaktion auf anstößige Inhalte überprüft. Wir verarbeiten und nutzen Ihren Namen und Ihren Kommentar ausschließlich für die Anzeige Ihres Beitrags. Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht, sondern lediglich für eventuelle Rückfragen an Sie im Rahmen der Freischaltung Ihres Kommentars verwendet. Die E-Mail-Adresse wird nach 60 Tagen gelöscht und maximal vier Wochen später aus dem Backup entfernt.

Allgemeine Informationen zur Datenverarbeitung und zu Ihren Betroffenenrechten und Beschwerdemöglichkeiten finden Sie unter https://www.aok.de/pp/datenschutzrechte. Bei Fragen wenden Sie sich an den AOK-Bundesverband, Rosenthaler Str. 31, 10178 Berlin oder an unseren Datenschutzbeauftragten über das Kontaktformular.