Nikotinbeutel: WHO warnt vor gezieltem Marketing
Die Weltgesundheitsorganisation WHO hat vor einer „aggressiven“ Vermarktung von Nikotinbeuteln gewarnt, die sich vor allem an junge Leute richtet. Die sogenannten Pouches würden stark über die von Jugendlichen genutzten sozialen Medien und andere digitale Plattformen sowie von Influencern beworben, heißt es in einem heute veröffentlichten Bericht der WHO. Dieser untersucht, mit welchen Marketingpraktiken große Tabakkonzerne ihre Märkte weltweit vergrößern. Weil der Zigarettenverkauf zurückgehe, wollten Anbieter eine neue Generation von Konsumenten in die Abhängigkeit treiben, prangert die WHO an. Die Organisation appelliert an Regierungen, Nikotinbeutel zu regulieren und Kinder und Jugendliche über die Gefahren aufzuklären.
Laut WHO wurden im Jahr 2024 mehr als 23 Milliarden Einheiten von Nikotinbeuteln verkauft, was einen Anstieg von mehr als 50 Prozent im Vergleich zum Vorjahr bedeutet. 2025 seien damit rund sechs Milliarden Euro umgesetzt worden. „Es besteht ein dringender Bedarf, unsere Jugend vor der Manipulation durch die Industrie zu schützen", sagte Etienne Krug, Direktor der zuständigen Abteilung bei der WHO.
Die tabakfreien Nikotinbeutel, die zum Konsum zwischen Zahnfleisch und Lippe geklemmt werden, würden als cooles Lifestyle-Produkt vermarktet oder als etwas, mit dem man heimlich, in der Schule oder vor den Eltern versteckt, Regeln brechen könne, kritisierte die WHO. Zudem verspreche die Werbung durch die Pouches einen Energieschub bei Müdigkeit und Entspannung bei Stress.
Die WHO warnte zudem vor einem hohen und stark variierenden Nikotingehalt zwischen 50 bis 150 Milligramm pro Beutel. Eine Untersuchung des Bundesinstituts für Risikobewertung von 2022 beziffert die höchste bekannte Nikotinmenge auf 47,5 Milligramm Nikotin/Beutel. Zum Vergleich: Die Obergrenze für den Nikotingehalt im Rauch einer Zigarette liegt bei einem Milligramm.
In Deutschland existiert bisher keine spezifische gesetzliche Regelung für Nikotinbeutel. Sie haben aber weder eine tabakrechtliche noch eine lebensmittelrechtliche Zulassung. Der Verkauf ist daher verboten. Dennoch gelangen sie über Online-Anbieter und aus Nachbarstaaten ins Land. Der Erwerb ist ab 18 Jahren erlaubt.
Nikotin ist ein Nervengift aus der Tabakpflanze und kann inzwischen auch synthetisch hergestellt werden. Laut deutscher Hauptstelle für Suchtfragen (DHS) steigert Nikotin das Risiko für Schlaganfall und koronare Herzerkrankungen, kann die Tumorbildung fördern und steht im Verdacht, die Gefahr von Diabetes zu erhöhen. (bhu)
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