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Nachhaltiger Klinikbau senkt Folgekosten

06.03.2024 2 Min. Lesedauer

Der Architektur-Professor Tom Guthknecht setzt sich für Änderungen bei der Planung von Klinikbauten in Deutschland ein. „Nachhaltige Investitionen sind für die Investoren derzeit nicht vorteilhaft“, kritisiert er in der aktuellen G+G Wissenschaft. Krankenhäuser müssten künftig dafür belohnt werden, wenn sie durch nachhaltiges Bauen die Betriebskosten senkten. Guthknecht lehrt seit 2012 an der Eidgenössischen Technischen Hochschule (ETH) Zürich das Fach „Planung von Gesundheitsbauten“.

Derzeit hätten Investoren in Deutschland nichts davon, wenn sie bei der Konzeption von Krankenhäusern darauf achteten, dass diese später geringe Betriebskosten hätten, schreibt Guthknecht. Das Einsparpotenzial sei jedoch hoch: „In einem Krankenhaus fallen innerhalb von zweieinhalb Jahren mehr Betriebskosten an, als die Neubaukosten betrugen.“ Eine Klinik mit höherer Betriebseffizienz und etwas höheren Baukosten sei daher wesentlich nachhaltiger als eine ohne Blick auf Betriebskosten mit dafür niedrigeren Baukosten.

Der Fachmann regt an, „strategische Investitionen zur Effizienzsteigerung von Beginn an in die Planung sowie das Realisierungsbudget aufzunehmen“. Das bedeute, die derzeit strikte Trennung der Haushalte für Infrastruktur und medizinische Leistungen aufzuheben. Guthknecht, der selbst Klinikbauprojekte in Europa und Übersee plant und begleitet, moniert außerdem die häufig fehlende Nutzungsoffenheit von Klinikbauten. Außerdem würden die ergonomischen Bedürfnisse des Pflegepersonals ignoriert und die meist horizontale Position der Patienten zu wenig berücksichtigt, etwa bei der Konzeption der Beleuchtung.

Sowohl bei Planern als auch bei Bauherren fehle heutzutage praktisches Wissen. Problematisch sei zudem, dass in den frühen 2000er-Jahren die zentralen Institutionen der Planungskoordination von Gesundheitsbauten geschlossen wurden. Auch in der akademischen Lehre sei „die Lage dramatisch“. Der bisher einzige Lehrstuhl in Deutschland zum Thema „Entwerfen von Krankenhäusern und Bauten des Gesundheitswesens“ an der Technischen Universität Berlin existiere seit Kurzem nicht mehr.

Guthknecht schlägt deshalb unter anderem neue zentrale Einrichtungen zur Planung von Gesundheitsbauten vor. Nötig seien auch eine freiere und planungsjahrunabhängigere Verwendung von Projektmitteln, die Einführung einer Vollkostenbetrachtung bei Bau- und Betriebskosten, eine zertifizierte Ausbildung von Krankenhausplanern sowie vermehrte Dialogverfahren und modularere Lösungen beim Bau von Gesundheitsgebäuden. (ink)

 

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