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Übergriffe von Kollegen in Kliniken an der Tagesordnung

14.04.2026 2 Min. Lesedauer

Machtmissbrauch und sexuelle Belästigung erschweren vor allem weiblichen Klinikbeschäftigten den Arbeitsalltag. Das zeigt eine bundesweite Mitgliederbefragung, die die Ärztegewerkschaft Marburger Bund (MB) heute in Berlin vorgestellt hat. Demnach berichtete fast die Hälfte der befragten 9.073 angestellten Ärztinnen und Ärzte, in den vergangenen zwölf Monaten Machtmissbrauch durch ärztliche Beschäftigte erlebt zu haben. 13 Prozent der Befragten berichteten von sexueller Belästigung. „Die Ergebnisse der Umfrage zeigen, dass Machtmissbrauch ein zentrales Strukturproblem im ärztlichen Arbeitsalltag ist“, konstatierte die erste MB-Vorsitzende Susanne Johna. Zudem sei sexuelle Belästigung „leider kein Randphänomen“.

Nötig seien jetzt klare Leitbilder seitens der Arbeitgeber. „Wir brauchen einen tatsächlichen Kulturwandel“, sagte Johna mit Blick auf die Folgen von Machtmissbrauch und sexueller Belästigung am Arbeitsplatz. Viele Betroffene reagierten mit emotionaler Erschöpfung und verminderter Arbeitsmotivation auf das Erlebte. Das gehe bis zum Wunsch, die Abteilung oder den Arbeitsplatz zu wechseln. Darunter leide letztlich neben den Betroffenen auch die Patientenversorgung, warnte Johna. Um dem entgegenzuwirken, müssten Vertrauen bildende Strukturen und niedrigschwellige Verfahren mit echten Konsequenzen geschaffen werden. „Wir brauchen betriebliche Schutzkonzepte“. Das sei eine Pflicht der Arbeitgeber, aber auch eine Pflicht der Politik, „sich da einzusetzen“.

Nach den Ergebnissen der bundesweit bisher größten Befragung dieser Art im Februar und März 2026 tritt Machtmissbrauch häufig wiederholt auf. 51 Prozent der Betroffenen erlebe sie mehrmals im Jahr, knapp jede Dritte sogar monatlich. Weit überwiegend missbrauchten männliche ärztliche Vorgesetzte ihre Macht, etwa durch einen respektlosen und herablassenden Umgangston. An zweiter Stelle rangiert laut MB das sachgrundlose Infragestellen der fachlichen Kompetenz, gefolgt von Mobbing oder öffentlicher Bloßstellung, zum Beispiel vor dem Team oder vor Patienten. Viele Betroffene verzichteten auf eine Meldung, etwa weil sie berufliche Nachteile befürchten.

Sexuelle Belästigungen zeigten sich am häufigsten durch sexualbezogene Kommentare oder abwertende Sprüche. Auch unerwünschte körperliche Nähe wurde den Angaben zufolge von vielen Betroffenen genannt. Sexuelle Belästigung gegenüber ärztlichen Beschäftigten trete „häufig im Kontext bestehender Machtverhältnisse auf, in denen Grenzüberschreitungen erleichtert und Gegenwehr erschwert werden“. (ter)

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