Mehrheit der Jugendlichen befürwortet Social-Media-Verbot
Mehr als die Hälfte der Kinder und Jugendlichen zwischen zwölf und 17 Jahren ist für ein Social-Media-Verbot. Das zeigt eine heute veröffentlichte Studie der Techniker Krankenkasse (TK), für die 1.400 Kinder und Jugendliche online befragt wurden. Demnach sind acht Prozent von ihnen für ein grundsätzliches Verbot, 47 Prozent für ein Verbot bis zu einem gewissen Alter. Diese wiederum sprechen sich im Durchschnitt für eine Altersgrenze von 14 Jahren aus. Grundsätzlich stehen 80 Prozent der Befragten sozialen Medien allerdings positiv gegenüber.
Die Ergebnisse des Social Media Reports zeigen, dass die Nutzung der digitalen Angebote zu mehr gesundheitlichen Auffälligkeiten führen kann. Demnach haben 49 Prozent der Jugendlichen, die pro Tag vier Stunden oder mehr Social Media nutzen, oft oder ständig schlechte Laune. Bei denjenigen, die nur ein bis zwei Stunden pro Tag in den Netzwerken unterwegs sind, sind es nur 20 Prozent. Ähnlich deutlich ist der Unterschied bei Gefühlen wie Unsicherheit und Zweifel (41 Prozent versus 22 Prozent) oder Unzufriedenheit mit sich selbst (40 Prozent versus 22 Prozent).
Ebenso augenscheinlich ist dem Report zufolge der Unterschied bei den körperlichen Beschwerden. So leiden Jugendliche, die täglich vier Stunden oder mehr soziale Medien konsumieren, häufiger unter Schlafproblemen als diejenigen, die täglich nur ein bis zwei Stunden dort verweilen (38 Prozent versus 14 Prozent). Die Befragten leiden bei einer längeren Nutzung außerdem mehr unter Kopfschmerzen oder Migräne (37 Prozent versus zwölf Prozent), Muskelverspannungen oder Rückenschmerzen (30 Prozent versus 17 Prozent).
Die Untersuchung zeigt auch, dass sich Jugendliche mehr Unterstützung wünschen wie etwa Lernvideos zu den Gefahren von Social Media (48 Prozent). 46 Prozent sprechen sich für speziell geschulte Ansprechpersonen wie Medienscouts in der Schule aus. 43 Prozent wollen mehr Gespräche mit den Eltern.
Besonders für Kinder und Jugendliche kann Social Media laut Experten schädlich sein. Daher führte Australien als erstes Land der Welt ein Social-Media-Verbot für unter 16-Jährige ein. In Deutschland hat sich Bundesfamilienministerin Karin Prien mehrfach für ein gesetzliches Mindestalter für soziale Medien auf EU-Ebene ausgesprochen und möchte dieses zügig voranbringen. Falls sich die EU-Staaten nicht einigen können, braucht es laut der CDU-Politikerin eine deutschlandweite Regelung. Prien sagte dem Nachrichtenportal Politico, an solchen Vorgaben werde bereits gearbeitet, sie könnten „als Übergangsregelung dienen“. Inhaltlich bekräftigte Prien ihre Forderung nach einem gesetzlichen Mindestalter von 13 Jahren. Dies entspricht einem Vorschlag der Expertenkommission der Bundesregierung, die im Frühsommer ihren Bericht vorgelegt hat. Der Abschlussbericht soll im September folgen. (bhu)