Update

Neues Lungenkrebsscreening spart hohe Kosten

09.04.2026 3 Min. Lesedauer

Das seit dem 1. April als Kassenleistung zugelassene Screening zur Früherkennung von Lungenkrebs kann laut Experten hohe Folgekosten vermeiden. Eine Spätdiagnose mit den entsprechenden Therapien koste „Hunderttausende von Euros mit exponentiellem Anstieg der Kosten“, sagte Pneumologie-Experte Tim Hirche heute im Vorfeld des Kongresses der Deutschen Gesellschaft für Innere Medizin (DGIM). Mediziner hätten schon lange ein solches Screening gefordert. Dass die Politik nun gehandelt habe, läge auch an den hohen Fallzahlen. Die Kosten für Lungenkrebspatienten könnten sonst „das Sozialsystem sprengen“, so Hirche.

Lungenkrebs ist laut Experten in Deutschland nach wie vor die häufigste krebsbedingte Todesursache. Jährlich erkrankten rund 58.000 Menschen neu, etwa 45.000 stürben an den Folgen dieser Krebskrankheit. Kernproblem sei die häufig späte Diagnose. „Beim Lungenkrebs entscheidet der Zeitpunkt der Diagnose maßgeblich über die Prognose“, erläuterte Hirche. Mit dem neuen Screening einmal jährlich für Hochrisikopatienten ließen sich Tumore oft in einem frühen Stadium entdecken – zu einem Zeitpunkt, an dem eine Heilung noch realistisch sei. Auf die Kassenleistung haben starke Raucher und Ex-Raucher, die das 50. Lebensjahr, aber noch nicht das 76. Lebensjahr vollendet haben, Anspruch. 

Allerdings müssen Kassenpatienten laut Hirche bei ihrem Hausarzt nach dem Angebot fragen. Daher seien „Öffentlichkeitsarbeit und Informationen über Anspruch und Chancen wichtig“, betonte er. Es könnten nicht wie bei Brustkrebs über das Einwohnermeldeamt alle Frauen ab 50 Jahre angeschrieben werden. 

So wichtig Früherkennung sei, bleibe die wirksamste Maßnahme gegen Lungenkrebs der konsequente Verzicht auf Nikotin. „Jeder Tag ohne Rauchen ist ein Gewinn für die Lungengesundheit“, unterstrich DGIM-Vorsitzende Dagmar Führer-Sakel. Es gelte einen „Paradigmenwechsel“ zu gestalten. „Wir müssen uns stärker von einer Medizin lösen, die erst reagiert, wenn Krankheit bereits entstanden ist, und uns stärker hin zu einer Medizin entwickeln, die Risiken früh erkennt, Ursachen adressiert und Menschen dabei unterstützt, gesund zu bleiben.“ Volkskrankheiten wie Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Diabetes, Adipositas, chronische Lungenerkrankungen oder bestimmte Krebserkrankungen gelte es früher zu erkennen und ihnen vorzubeugen. 

Prävention ist nach ihrer Einschätzung eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe und „systemrelevant“. Politische Instrumente wie eine Zuckersteuer seien nur ein Baustein, betonte sie. Dabei gehe es nicht um Verbote, sondern um ein Ändern im Handeln, indem Hersteller weniger Zucker zusetzen. Wichtig sei es, „sich aufzumachen und positiv Gesundheitskompetenz zu vermitteln“. 

Der Kongress vom 18. bis 21. April in Wiesbaden steht in diesem Jahr unter dem Motto „Prävention statt Reparatur“. (imo)

Optionale Felder sind gekennzeichnet.

Beitrag kommentieren

Alle Felder sind Pflichtfelder.

Datenschutzhinweis

Ihr Beitrag wird vor der Veröffentlichung von der Redaktion auf anstößige Inhalte überprüft. Wir verarbeiten und nutzen Ihren Namen und Ihren Kommentar ausschließlich für die Anzeige Ihres Beitrags. Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht, sondern lediglich für eventuelle Rückfragen an Sie im Rahmen der Freischaltung Ihres Kommentars verwendet. Die E-Mail-Adresse wird nach 60 Tagen gelöscht und maximal vier Wochen später aus dem Backup entfernt.

Allgemeine Informationen zur Datenverarbeitung und zu Ihren Betroffenenrechten und Beschwerdemöglichkeiten finden Sie unter https://www.aok.de/pp/datenschutzrechte. Bei Fragen wenden Sie sich an den AOK-Bundesverband, Rosenthaler Str. 31, 10178 Berlin oder an unseren Datenschutzbeauftragten über das Kontaktformular.