Hohe Betroffenheit bei Long Covid - RKI sieht Forschungsbedarf
Zehn bis 15 Prozent aller mit Corona infizierten Erwachsenen in Deutschland entwickeln Long Covid. Dies geht aus einer heute veröffentlichten Analyse des Robert-Koch-Instituts (RKI) hervor, die sich mit den gesundheitlichen Langzeitfolgen von Sars-CoV-2-Ansteckungen befasst. Long Covid stelle nicht nur für Betroffene eine große Belastung dar, sondern habe auch nicht einschätzbare Langzeitfolgen für die Bevölkerungsgesundheit und für die Versorgung, betont das Institut.
Laut der Studie berichtet etwa jeder vierte bis fünfte Long-Covid-Patient über deutliche Einschränkungen im Alltag aufgrund seiner Beschwerden. Bei den meisten Betroffenen bildeten sich die Symptome binnen eines Jahres zurück. Schätzungsweise 15 Prozent der Betroffenen litten jedoch noch ein Jahr später an Symptomen. Frauen, chronisch Kranke und ungeimpfte Menschen hätten ein höheres Long-Covid-Risiko.
Das RKI sieht weiter einen hohen Forschungsbedarf. Sowohl das Krankheitsbild als auch Präventions- und Behandlungsmöglichkeiten von Long Covid seien unzureichend geklärt, insbesondere im Hinblick auf besonders schwer Betroffene mit langanhaltenden Beschwerden. Eine spezifische Behandlung mit Medikamenten existiere derzeit nicht. Eine vom Bundesministerium für Gesundheit (BMG) einberufene Expertengruppe erarbeite derzeit evidenzbasierte Empfehlungen zu Medikamenten, die für andere Therapien (Off-Label-Use) zugelassen sind. Für die Behandlung einzelner Symptome habe die Expertengruppe bereits einen „Therapie-Kompass“ zur Orientierung veröffentlicht.
Um Diagnose und Behandlung von Long Covid zu verbessern, haben das BMG und das Bundesforschungsministerium im November 2025 die „Allianz Postinfektiöse Erkrankungen: Long Covid und ME/CFS“ ins Leben gerufen. Das BMG fördert in diesem Rahmen bis 2028 insgesamt 34 Projekte mit 118 Millionen Euro. Ende Januar startete zudem die „Nationale Dekade gegen Postinfektiöse Erkrankungen“.
Laut dem Wissenschaftlichen Institut der AOK (WIdO) waren in Deutschland 2023 1,8 Prozent der bei der AOK versicherten Erwerbstätigen mindestens einmal wegen den Spätfolgen einer Corona-Erkrankung krankgeschrieben. Eine in „Lancet“ veröffentlichte Studie aus den Niederlanden kommt zu dem Schluss, dass sich das Risiko für Long Covid seit der Infektionswelle im Herbst 2023 in der Bevölkerung verglichen mit dem Zeitraum davor deutlich verringert hat. (at)
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