Report: Weiter viel Luft nach oben bei Ambulantisierung
Mehr als die Hälfte aller Krankenhausfälle könnten ambulant versorgt oder durch bessere Strukturen vermieden werden. Das zeigt der heute in Berlin vorgestellte Krankenhaus-Report 2026 des Wissenschaftlichen Instituts der AOK (WIdO), der nach Inkrafttreten des Gesetzes zur Anpassung der Krankenhausreform (KHAG) eine Zwischenbilanz zieht. Von 15,2 Millionen Fällen 2024 wären demnach 8,6 Millionen ambulantisierbar oder vermeidbar gewesen. Das entspricht 56 Prozent der Fälle, 42 Prozent der Belegungstage und 39 Prozent der Klinikausgaben.
Das Ambulantisierungspotenzial liegt laut WIdO-Berechnungen in den Ländern zwischen 53 und 58 Prozent. Besonders groß ist es in der Grundversorgung mit 58 Prozent. Erste Analysen aus Nordrhein-Westfalen machen jedoch deutlich, dass sich die Zahl der an der Grundversorgung beteiligten Klinikstandorte in diesen Leistungsgruppen kaum verändert hat.
Bei spezialisierten Eingriffen zeigt sich dagegen eine Konzentration: In NRW sank die Zahl der Standorte bei Hüftimplantationen von 247 auf 137, bei Lebereingriffen von 66 auf 29. „Die berüchtigte Gelegenheitsversorgung bei Eingriffen der Spezialversorgung ist hier deutlich reduziert worden“, sagte AOK-Bundesverbandschefin Carola Reimann. Zugleich warnte sie, der Strukturwandel werde durch Ausnahmen „deutlich reduziert stattfinden“.
Die Schweiz gilt bei Leistungsgruppen laut Gesundheitsökonom Alexander Geissler „international als Vorreiter“: Dort seien sie kleinteiliger gefasst und damit ließen sich Leistungen gezielter steuern. Zugleich mahnte er zur Vorsicht: Wenn Raum gelassen werde für die „Flexibilisierung von Qualitätsvorgaben“, dann werde dieser Raum auch genutzt.
Nachbesserungsbedarf sieht der Report bei der Vorhaltefinanzierung, die weiter an historische Leistungsmengen gekoppelt sei. Auch das Pflegebudget steht in der Kritik: Seit 2020 können Kliniken Kosten für Personalzuwächse direkt an die Kassen weitergeben. Das Prinzip der Selbstkostendeckung hat laut WIdO zu mehr Pflegekräften, aber auch zu einem Kostenanstieg von 19,4 Milliarden Euro 2020 auf 26,1 Milliarden Euro 2024 geführt.
„Es ist so viel Geld im System wie nie zuvor“, sagte Reimann. Es müsse aber „sinnvoller und gezielter“ eingesetzt werden. Die wichtigsten Punkte seien eine stärkere Ambulantisierung, die Ablösung des Pflegebudgets durch eine bessere Pflegefinanzierung und die Reform der Vorhaltefinanzierung, fasste sie zusammen. (sr)
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