Long Covid belastet Gesundheitssysteme enorm
Die Folgen von Long Covid werden Wirtschaft und Gesundheitssysteme in den kommenden Jahren massiver belasten als bisher gedacht. Zu diesem Schluss kommt eine neue Studie der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung OECD mit dem Untertitel „Der lange Schatten der Pandemie“. Demnach dürfte Long Covid allein die Gesundheitssysteme der OECD-Staaten jährlich elf Milliarden US-Dollar kosten – mit steigender Tendenz.
Dies werde aber durch die indirekten Kosten noch bei Weitem übertroffen. Demnach könnte Long Covid das Bruttoinlandsprodukt in den EU- und OECD-Staaten jährlich um 0,1 bis 0,2 Prozent drücken, was wirtschaftlichen Verlusten von bis zu 135 Milliarden US-Dollar pro Jahr entspreche. „Long Covid ist nicht nur ein medizinisches Problem. Es ist zugleich eine soziale und wirtschaftliche Herausforderung.“ Die Autoren drängen auf eine bessere Versorgung und Wiedereingliederung von Betroffenen.
Die Studie geht davon aus, dass in den kommenden Jahren 0,6 bis ein Prozent der Bevölkerung an Long Covid leiden. Das seien bis zu 14 Million Menschen in den OECD-Staaten. Long Covid könne fast jedes Organsystem betreffen. Die Symptome reichten von Brainfog, also Denk- und Gedächtnisproblemen, Atemnot und schwerer Erschöpfung bis hin zu Belastungsintoleranz. Rund 75 Prozent der Betroffenen berichten laut Studie von mittelschwerer bis schwerer Beeinträchtigung der Lebensqualität.
Die Krankheit verursache aber nicht nur persönliches Leid, sondern belaste auch die Wirtschaft durch Arbeitsausfälle und verminderte Produktivität erheblich, so die Autoren. Zugleich sähen sich die Gesundheitssysteme mit steigenden Mehrkosten konfrontiert. Daten aus fast allen Ländern zeigten, dass die Gesundheitsausgaben für Long-Covid-Erkrankte deutlich höher lägen als von Corona-Patienten ohne andauernde Symptome.
Das Ausmaß der sozialen und wirtschaftlichen Folgekosten werde jedoch bis heute unterschätzt, kritisieren die Autoren. Sie fordern, die Diagnose, Behandlung und Versorgung der Betroffenen zu verbessern. Dazu brauche es entsprechende Leitlinien. Auch der Fortbildung des medizinischen Fachpersonals müsse Priorität eingeräumt werden. Zugleich appellieren sie an die OECD-Staaten, langfristigen Strategien für den Umgang mit Long Covid zu entwickeln. Als positives Beispiel loben sie die nationalen Initiativen in Deutschland und den Niederlanden.
Zudem brauche es klare, patientenzentrierte Versorgungspfade. Bisher hätten nur sechs OECD-Länder, darunter auch Deutschland, klar definierte, formale Versorgungspfade für Long-Covid-Patienten erarbeitet. Besonders problematisch sei die Lage von betroffenen Kindern und Jugendlichen. Hier würde die Krankheit oft nicht erkannt. Die OECD umfasst 38 entwickelte und aufstrebende Volkswirtschaften aus Nord- und Südamerika, Europa und dem Asien-Pazifik-Raum. (cm)
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