Update

Neuer Anlauf für die „Pille für den Mann“

08.01.2026 2:30 Min. Lesedauer

„Jetzt kommt die Pille für den Mann“, titelte der „Stern“ bereits 1991 hoffnungsvoll. Auch 35 Jahre später lässt die „Revolution“ jedoch weiter auf sich warten. Das wollen die beiden deutschen EU-Abgeordneten Katarina Barley (SPD) und Peter Liese (CDU) ändern. Sie mahnten heute erneut an, Verhütungsangebote für Männer voranzubringen. Dazu wollen sie bei der EU-Arzneimittelbehörde Ema auf zeitgemäßere Zulassungsregeln drängen. Schon in drei, vier Jahren könnte als erstes Produkt ein Hormongel für Männer auf den Markt kommen, sagte der gelernte Arzt. In fünf bis acht Jahren könnte eine hormonfreie „Pille für den Mann“ folgen.

Bis heute sei Verhütung vor allem Frauensache, monierte die Vizepräsidentin des Europäischen Parlaments, Barley. Die neue Generation sei jedoch bereit, die Verantwortung zu teilen. Gesundheitsexperte Liese pflichtete ihr bei. Für Männer gebe es bisher nur Kondome oder Sterilisation. Als eine wichtige Hürde sehen Barley und Liese veraltete Zulassungsregeln. Weil Männer von Verhütung keinen direkten medizinischen Nutzen hätten, würden die Behörden bisher darauf pochen, dass Präparate null Nebenwirkungen hätten.

Barley und Liese halten diese Ansicht nicht mehr für zeitgemäß und unfair gegenüber Frauen. Bereits im Oktober hatten sie in einem Schreiben an Ema-Chefin Emer Cooke appelliert, die Zulassungsregeln zu überdenken. So träfen die Folgen einer Schwangerschaft auch Männer. „Geringe Nebenwirkungen sind akzeptabel, auch wenn Männer in einem altmodischen Sinne keinen direkten Nutzen haben“, sagte Liese. Er verwies darauf, dass bei Verhütungsmitteln für Frauen wie hormonellen Kontrazeptiva seit Jahrzehnten Nebenwirkungen in Kauf genommen würden. Dagegen bedeuteten bei Produkten für Männer auch geringste Nebenwirkungen bisher das Aus.

Jana Pfenning vom Verein „Better birth control“ sieht den Staat in der Pflicht, Verhütung stärker zu fördern. 30 Prozent aller Schwangerschaften in Deutschland seien ungeplant. Es brauche daher bessere Optionen. Die Biologin Nadja Mannowetz von der US-Biotechfirma „YourChoice Therapeutics“ mahnte, die hormonellen Belastungen von Frauen zu senken. Ihre Firma arbeitet an einer hormonfreien Pille für den Mann, die die Spermienproduktion unterbricht. Erste Studien an Tieren und Männern seien vielversprechend, sagte sie. Die Pille werde gut vertragen, nach Absetzen setze auch die Spermienproduktion wieder ein. Mannowetz hofft, dass die Männer-Pille in fünf bis acht Jahren auf den Markt kommen könnte. (cm)

Optionale Felder sind gekennzeichnet.

Beitrag kommentieren

Alle Felder sind Pflichtfelder.

Datenschutzhinweis

Ihr Beitrag wird vor der Veröffentlichung von der Redaktion auf anstößige Inhalte überprüft. Wir verarbeiten und nutzen Ihren Namen und Ihren Kommentar ausschließlich für die Anzeige Ihres Beitrags. Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht, sondern lediglich für eventuelle Rückfragen an Sie im Rahmen der Freischaltung Ihres Kommentars verwendet. Die E-Mail-Adresse wird nach 60 Tagen gelöscht und maximal vier Wochen später aus dem Backup entfernt.

Allgemeine Informationen zur Datenverarbeitung und zu Ihren Betroffenenrechten und Beschwerdemöglichkeiten finden Sie unter https://www.aok.de/pp/datenschutzrechte. Bei Fragen wenden Sie sich an den AOK-Bundesverband, Rosenthaler Str. 31, 10178 Berlin oder an unseren Datenschutzbeauftragten über das Kontaktformular.

Pressekonferenz

Vorstellung des neuen Public Health Index

Wo steht Deutschland beim Thema Prävention im internationalen Vergleich?