RKI: Diskriminierung hat gesundheitliche Folgen
Neue Daten des Robert Koch-Instituts (RKI) belegen den deutlichen Zusammenhang zwischen Diskriminierung und Gesundheit. Danach steigt laut RKI die Wahrscheinlichkeit gesundheitlicher Probleme mit der Häufigkeit und der Anzahl der Vorfälle. Die Ergebnisse stellte das RKI am Montag zum Auftakt des zweitägigen Kongresses Armut und Gesundheit in Berlin vor. Die Daten zeigten, „dass der Abbau von Diskriminierung ein zentrales Handlungsfeld zur Förderung gesundheitlicher Chancengerechtigkeit darstellt“, betonte Jens Hoebel vom RKI. Unter dem Motto „Gesundheit ist politisch“ will der diesjährige Kongress neue Impulse für gerechtere Gesundheitschancen setzen.
Die Erhebungen des RKI-Panels ergaben, dass mehr als zwei Drittel der Erwachsenen in Deutschland selten oder manchmal Diskriminierung im Alltag erlebten. Mehr als zwölf Prozent gaben an, oft oder sehr oft entsprechende Erfahrungen gemacht zu haben. Besonders häufig betroffen waren demnach Menschen mit niedrigem Einkommen, Erwerbslose, trans oder genderdiverse Personen, junge Erwachsene sowie Menschen mit Migrationshintergrund. Mit gravierenden Folgen: Personen, die besonders oft sowie mehrfach Diskriminierung ausgesetzt sind, haben meist doppelt so oft gesundheitliche Probleme.
Armut ist laut Experten nach wie vor eines der größten Gesundheitsrisiken in unserer Gesellschaft. 13 Millionen Menschen lebten hierzulande in Armut, betroffen seien vor allem alleinerziehende Frauen, sagte Ilona Kickbusch, Expertin für globale Gesundheit. 30 Prozent der Bevölkerung sind laut Statistischem Bundesamt von Armut bedroht. Kickbusch forderte, Gesundheit müsse „als Investition gesehen werden, nicht nur in die Wirtschaft, sondern auch in Gesellschaft und Demokratie“. Hierzulande fehle eine Debatte um eine „Wellbeing Economy“ wie in skandinavischen Ländern.
Gesundheit als gesamtgesellschaftlichen Prozess zu begreifen, regte Johannes Nießen, kommissarischer Leiter des Bundesinstituts für Öffentliche Gesundheit, an. „Gesundheit darf nicht vom sozialen Status, vom Einkommen oder von Bildung abhängen. Wenn wir das ändern wollen, müssen wir Gesundheit in allen Lebensbereichen mitdenken: in Bildung und Arbeit, Wohnen, Stadtentwicklung und Klima.“
Bundesgesundheitsministerin Nina Warken (CDU) erklärte: „Prävention und Gesundheitsförderung müssen die Menschen erreichen, die sie am dringendsten benötigen“. Dafür brauche es zielgerichtete Angebote, verständliche Informationen und gut zugängliche Strukturen. Ein wichtiger Schwerpunkt der kommenden Jahre sei dafür die Einführung eines Primärversorgungssystems. Der Leiter der Abteilung Prävention und Evaluation am Leibniz-Institut, Hajo Zeeb, sagte, das Gesundheitssystem sei nach wie vor zu stark auf die Behandlung von Krankheiten ausgerichtet. Gesundheitsförderung und Prävention spielten nur eine kleine Rolle. Entsprechend gering seien die Ausgaben dafür. (imo)
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