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Studie weckt Zweifel an HzV-Modell als Vorbild für Primärversorgung

29.05.2026 3 Min. Lesedauer

Die derzeit verpflichtende Hausarztzentrierte Versorgung (HzV) gilt als möglicher Anknüpfungspunkt für das geplante Primärversorgungssystem. Eine neue Evaluation der Techniker Krankenkasse (TK) zu ihrem HzV-Vertrag kommt nun jedoch zu einem gemischten Ergebnis: Zwar seien die Hausarztkontakte leicht zurückgegangen und die Koordination verbessert worden, die Zahl der Facharztkontakte sei jedoch gestiegen. Nach Einschätzung der TK liegt das vor allem an fehlenden Verbindlichkeiten. Damit eigne sich die HzV nicht als Vorlage für das geplante Primärversorgungssystem. Andere Verträge wie die HzV der AOK Baden-Württemberg verzeichnen hingegen positive Ergebnisse.

Laut der Evaluation der TK-Verträge in 13 Bundesländern ging die Zahl der Hausarztkontakte unter den HzV-Teilnehmenden leicht um 0,2 Kontakte im Jahr zurück. Gleichzeitig stieg die Zahl der Facharztkontakte um 1,2 Kontakte. Der erwartete Effekt, unnötige Facharztbehandlungen zu vermeiden, sei damit nicht eingetreten, so die Autoren der Evaluation um den Gesundheitsökonomen Jonas Schreyögg, Direktor des Hamburg Centre for Health Economics (HCHE). Auch Klinikaufenthalte seien nicht reduziert worden, eine bessere Arzneimittelversorgung habe sich ebenfalls nicht gezeigt. Zudem sei die Zahl der Krankengeldtage gestiegen. Im Vergleich zwischen HzV-Teilnehmenden und Versicherten in der Regelversorgung ergeben sich laut der Studie Mehrkosten von rund 160 Millionen Euro pro Jahr.

Als zentrale Ursache nennt die TK, dass sich Versicherte im HzV-Vertrag nicht ausreichend an die Verpflichtung halten, zunächst die Hausarztpraxis aufzusuchen. Stattdessen würden Fachärztinnen und Fachärzte teils weiterhin ohne Überweisung konsultiert. An der HzV der TK nimmt nach Angaben der Kasse mehr als eine Million Versicherte teil. „In Anbetracht der Ergebnisse der vorliegenden Evaluation kann für eine HzV nach dem Modell der TK HzV-Bund-Verträge in der derzeitigen Ausgestaltung keine Empfehlung ausgesprochen werden“, so die Autoren der Evaluation. 

Thomas Ballast, stellvertretender TK-Vorstandsvorsitzender, sagte, erforderlich sei ein durchdachtes Primärversorgungssystem, das Hilfesuchende gezielt durch die Versorgung führe. Dafür sei die HzV in ihrer derzeitigen Form keine geeignete Grundlage. Die TK spricht sich stattdessen für ein Primärversorgungssystem mit verbindlicher digitaler Ersteinschätzung aus. Auf dieser Basis sollen Patientinnen und Patienten direkt in die für sie passende Versorgung gesteuert werden. Der Hausärztinnen- und Hausärzteverband kritisierte, die Studie widerspreche allen bisherigen Evaluationen der HzV. Dies sei jedoch nicht überraschen, da die TK „sich zuletzt immer wieder gegen ein hausärztlich gesteuertes Primärversorgungsmodell" ausgesprochen habe.

Positive Ergebnisse zeigt der HzV-Vertrag der AOK Baden-Württemberg. Laut der Evaluation von 2025 profitieren insbesondere chronisch kranke Patientinnen und Patienten von einer gezielteren und effizienteren Behandlung. Zudem gebe es weniger vermeidbare Krankenhausaufenthalte, geringere Komplikationsraten und weniger unkoordinierte Facharztkontakte. In Baden-Württemberg hatte die AOK die HzV bereits 2008 eingeführt. Zu dem Zeitpunkt gab es noch keine Pflicht der Kassen für solche Verträge. Inzwischen nehmen mehr als zwei Millionen Versicherte teil. (tie)

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