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Krankenkassen: Psychotherapeuten werden weiter gut honoriert

31.03.2026 3 Min. Lesedauer

Trotz der morgen in Kraft tretenden Honorarkürzung für Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten werden deren Leistungen nach Angaben des Spitzenverbandes der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV-SV) „weiterhin gut“ vergütet. Laut des Verbandes liegt der „Jahresverdienst bei einer Vollzeittätigkeit künftig über 190.000 Euro“ und damit sei „keine Veränderung bei dem künftigen, im internationalen Vergleich sehr guten Versorgungsangebot für die Versicherten“ zu erwarten, betonte der GKV-SV.*

Der Erweiterte Bewertungsausschuss (EBA) hatte Anfang März eine Kürzung der Honorare um 4,5 Prozent ab 1. April beschlossen. Dem EBA gehören Vertreter der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) und des GKV-SV sowie unparteiische Mitglieder an. Zugleich werden Zuschläge für die Finanzierung von Personalkosten der Praxen rückwirkend zum 1. Januar um 14,25 Prozent erhöht. Das Honorar für eine Stunde Einzeltherapie liegt laut GKV-SV ab April bei 114,54 Euro; Gruppentherapien würden höher vergütet. Daraus ergebe sich eine absolute Absenkung bei Vollzeittätigkeit um lediglich 2,3 Prozent, rechnete der Verband vor. Damit liege das Vergütungsniveau noch immer über dem der ärztlichen Vergleichsgruppe.

Die Honorardebatte lenke vom eigentlichen Kernproblem ab, nämlich den Zugang zu psychotherapeutischen Leistungen vor allem für Schwerkranke zu erleichtern, kritisierte der Spitzenverband. Hierfür müsse eine angemessene Anzahl an Sprechstunden sowie die Hälfte der Behandlungsplätze an die Terminservicestellen gemeldet werden, forderte er. Jedoch liege der Anteil der Psychotherapeuten, die nur in Teilzeit oder noch weniger Stunden arbeiteten, bei 72 Prozent. Dadurch stehe für GKV-Versicherte erheblich weniger Behandlungszeit zur Verfügung. 

Darüber hinaus müssen nach Ansicht des GKV-SV steuernde Elemente stärker in der Versorgung verankert werden. Er verwies zudem auf die gute psychotherapeutische Versorgung durch die GKV im internationalen Vergleich: „Die gesetzlichen Krankenkassen übernehmen die Kosten für bis zu 300 Therapiestunden vollständig. In vielen anderen Ländern sind diese Leistungen meist deutlich stärker begrenzt oder müssen privat bezahlt werden.“

Gegen die Kürzung ihrer Honorare waren Psychotherapeuten in den vergangenen Wochen in mehreren deutschen Städten auf die Straße gegangen. Laut „Tagesspiegel“ reichte die KBV gestern beim Landessozialgericht Berlin-Brandenburg ihre angekündigte Klage ein. KBV-Chef Andreas Gassen wertete die Honorarabstriche als  „fatale Entscheidung“, die zulasten psychisch kranker Menschen gehe und die Psychotherapeuten massiv benachteilige. (bhu)


Unsere Meldung hat viele, teils auch verärgerte Reaktionen, insbesondere von Psychotherapeutinnen und -therapeuten, hervorgerufen. Die Meldung basiert auf Angaben des GKV-Spitzenverbandes. Die genannten Zahlen stammen aus den Beschlussunterlagen des Erweiterten Bewertungsausschusses.

* Transparenzhinweis: Wir haben den zweiten Satz des Einstiegs nachträglich angepasst, um die Quelle der Zahlen noch deutlicher zu kennzeichnen.

Illustration: Ein dunkler Raum. In der Mitte ist eine weiß-leuchtende Tür. Auf beiden Seiten stehen Männchen, eins ist schwarz, eins ist weiß.
Statt auf Wartelisten zu verharren, öffnen viele Patienten ihr Innerstes einem Algorithmus. Was schnelle Hilfe verspricht, kann zur riskanten Echokammer werden – und verkennt, wo künstliche Intelligenz die psychische Gesundheit wirklich voranbringen kann.
18.03.2026Felix Kunz10 Min

37 Kommentare

Sehr geehrte Damen und Herren, zum einen muss ich sagen, dass die Rechnung mit 190.000 € absolut utopisch ist. Daten von der KBV zeigen, dass unter 1 % der Psychotherapeutin diesen Umsatz erwirtschaften. Zum anderen geht es ja daneben um etwas ganz anderes: die Psychotherapieplätze für die Patientin werden reduziert. Im aktuellen Referentenentwurf ist die Budgetierung ein Thema. Das bedeutet, dass die Plätze nicht mehr werden, sondern weniger. Psychotherapeuten und Psychotherapeutin können in Zukunft noch weniger Patienten behandeln. Plus die Honorarkürzungen. Es ist absolut nicht hinnehmbar, dass gerade die mentale Gesundheit und psychische Erkrankung derartig eine schlechte Versorgung in Zukunft erhalten werden. Gerade die gesetzlich versicherten Patienten werden in Zukunft weniger Psychotherapieplätze haben.

Es ist vollkommen ausgeschlossen als niedergelassener Psychotherapeut 190000€ Jahresgehalt zu erwirtschaften. Das ist eine Fantasiezahl, die mit der Realität nichts zu tun hat. Ich gehe davon aus, dass der GKV-Spitzenverband das weiß. Seit Jahren werden Psychotherapeuten mit unhaltbaren und unbelegten Vorwürfen von Seiten der Krankenkassen konfrontiert. Gleichzeitig gibt es mehr Vorschriften und Verwaltungsaufwand - aktuell in NRW eine verbindliche Testphase für ein Qualitätsmanagement-Verfahren, das vom wissenschaftlichen Beirat Psychotherapie als vollkommen unsinnig, teuer und zeitaufwendig beurteilt wird. Es wird Psychotherapeuten also nicht nur das Honorar gekürzt, sondern auch effektiv Zeit genommen, die sinnvollerweise in die Behandlung von Patienten investiert werden könnte. Es ist ein großes Ärgernis, dass immer wieder mit Zahlen argumentiert wird, die bei weitem nicht erwirtschaftbar sind. Das ist einem fairen Austausch nicht angemessen und dient offenbar dazu die Bevölkerung hinters Licht zu führen.

Bisher habe ich mich bemüht, jedem gesetzlich Versicherten, der anruft, einen Termin zu geben. Das werde ich mir jetzt nicht mehr leisten können.

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