Iran-Krieg: Arzneihersteller warnen vor Engpässen wegen Helium-Knappheit
Pharmaverbände warnen vor wachsendem Druck auf die Lieferketten und möglichen Engpässen bei Arzneien als Folge des Iran-Krieges und der Blockade der Straße von Hormus. Zwar zeichneten sich für die kommende Zeit keine akuten Versorgungsprobleme ab, mittel- und langfristig drohten aber Risiken. Das ergaben G+G-Anfragen bei mehreren Verbänden. Die weitere Entwicklung hänge „wesentlich von Dauer und Intensität der geopolitischen Spannungen ab“, erklärte Pro Generika. Ähnlich äußerte sich Pharma Deutschland: „Der Iran-Krieg ist noch nicht in den Regalen der Apotheken angekommen. In den Laboren und Werken der deutschen Arzneimittelhersteller steigt jedoch die Sorge, je länger die Blockade der Straße von Hormus dauert.“ Insbesondere die drohende Helium-Knappheit könnte zum Nadelöhr werden, warnte Hauptgeschäftsführerin Dorothee Brakmann. Sie forderte die Politik auf, Helium „als strategisch relevantes Gut“ einzustufen.
Laut Pro Generika halten die Firmen bei Medikamenten „Lagerbestände für mehrere Wochen oder Monate vor. Kurzfristige Störungen – etwa bei Transportwegen – können daher zunächst abgefedert werden.“ Der Konflikt im Nahen Osten beeinträchtige jedoch bereits Routen. „Sorgen machen sich die Hersteller besonders um die Verfügbarkeit von Helium“, so Brakmann. Das Gas werde bei gaschromatographischen Methoden zur Qualitätskontrolle von Arzneien benötigt. „Wenn das Gas knapp und teuer wird, geraten Qualitätskontrollen ins Stocken. Dann können die Unternehmen die Arzneimittel nicht mehr im gewohnten Umfang freigeben – selbst wenn Wirkstoffe und Packmittel vorhanden sind.“ Bisher produzierte Katar ein Drittel des weltweiten Heliums. Nach Angriffen des Iran auf die Ras-Laffan-Anlage musste Katar die Förderung jedoch weitgehend einstellen.
„Wir müssen die Risiken klar benennen“, so Brakmann. „Wenn wir jetzt nicht gegensteuern, drohen mittelfristig Engpässe insbesondere bei Arzneimitteln, deren Qualitätskontrolle von Helium abhängt.“ Auch in anderen Bereichen wird Helium gebraucht, etwa als Kühlmittel bei Magnetresonanztomographien (MRT). Der Deutschen Krankenhausgesellschaft (DKG) liegen aber keine Berichte über Engpässe vor. Moderne MRT-Geräte seien „zunehmend sparsam im Helium-Verbrauch. Außerdem sind vermehrt heliumfreie Geräte auf dem Markt, da Helium bereits vor dem Krieg im Iran stark nachgefragt war“, hieß es bei der DKG.
Die Sorgen der Pharmaindustrie gehen über Helium hinaus. Auch andere petrochemische Grundstoffe kämen aus dem Nahen Osten, so Pharma Deutschland. „So werden beispielsweise petrochemische Vorstufen für die Synthese von Ibuprofen und Paracetamol benötigt.“ Pro Generika forderte, den Standort Europa zu stärken. „Wenn wir unsere Versorgung wirklich krisenfester machen wollen, brauchen wir Regeln, die diversifizierte Lieferketten und Produktion in Europa ermöglichen.“ (cm)
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