Vertrauen in das Gesundheitssystem schwindet weiter
Das deutsche Gesundheitssystem verliert in der Bevölkerung weiter an Ansehen. Nur noch die Hälfte der Deutschen sieht das hiesige Gesundheitswesen unter den Top drei weltweit. Zu diesem Schluss kommt das heute veröffentlichte Healthcare-Barometer, für das die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft PWC 1.000 Personen befragt hat. Vor zehn Jahren war das Vertrauen in das Gesundheitssystem mit 64 Prozent noch deutlich höher. Vor allem machen sich die meisten Deutschen demnach Sorgen darum, ob Gesundheit künftig noch bezahlbar sein wird (91 Prozent). Weitere große Herausforderungen sind der Umfrage zufolge der Fachkräftemangel sowie die Sicherung der Versorgungsqualität.
Um das Gesundheitswesen besser aufzustellen, fordern 87 Prozent der Befragten eine Überwindung des starren Sektorendenkens durch eine integrierte Versorgung mit besserer Zusammenarbeit zwischen den einzelnen Akteuren. Weitere Lösungsansätze sehen knapp 80 Prozent der Versicherten in einer effizienteren Digitalisierung und Datennutzung sowie in einer wirksameren Prävention, etwa durch Gesundheitsnetzwerke.
Die Bewertung der Krankenhäuser fällt insgesamt weiter stabil aus. Jeder Zweite hält die stationäre Versorgung für gut bis sehr gut. Frauen sind hier in ihrem Urteil allerdings mit 43 Prozent deutlich kritischer als Männer (59 Prozent). Bei der ambulanten Versorgung sind aktuell nur noch 30 Prozent mit den Behandlungen zufrieden. Vor vier Jahren waren es noch 37 Prozent. Vor allem Berufstätige kritisieren laut Studie, dass Ärzte und Ärztinnen sich zu wenig Zeit nehmen (39 Prozent). Ebenso fühlen sich viele Patientinnen und Patienten von den medizinischen Fachkräften nicht ernst genommen (26 Prozent).
Hohe Zufriedenheitswerte erreichen hingegen erneut die Krankenkassen. Erhebliche finanzielle Defizite – 2027 fehlen der gesetzlichen Krankenversicherung laut Prognosen rund zwölf Milliarden Euro – sowie steigende Zusatzbeiträge und Diskussionen um Leistungskürzungen wirken sich offenbar nicht auf die Zufriedenheit aus. Gegenüber dem Vorjahr ist diese um zwei Prozentpunkte auf 87 Prozent gestiegen. 86 Prozent der Befragten sehen alle relevanten Leistungen finanziell abgesichert.
Die Bundesregierung sollte sich grundsätzlich stärker um Gesundheitspolitik kümmern, meinen neun von zehn Befragten. Zu einem ähnlichen Ergebnis kommt auch eine aktuelle Forsa-Umfrage im Auftrag der Techniker Krankenkasse (TK). Danach hält die große Mehrheit der Deutschen Gesundheitsreformen für notwendig. 29 Prozent befürworten grundlegende Änderungen, 63 Prozent sehen stellenweise Handlungsbedarf.
Die schwarz-rote Koalition will den schwindenden Ressourcen ein Primärversorgungssystem entgegensetzen. Erste Effekte soll es 2028 geben. Für die Stabilisierung der Krankenkassenbeiträge soll die Finanzkommission Gesundheit Vorschläge machen. Für Ende März ist ein erster Bericht angekündigt. Ziel ist die Stabilisierung der Beiträge im Jahr 2027. (imo)
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