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Experten warnen vor zunehmendem Hass im Netz

15.01.2026 2:30 Min. Lesedauer

Expertinnen und Experten warnen vor der zunehmenden Bedrohung durch Hasskommentare und andere Formen der digitalen Gewalt in den sozialen Medien. Die Beleidigungen, Ablehnungen, Diskriminierungen und teilweise Drohungen hätten für die Betroffenen gravierende Folgen, sagte die Vorstandsvorsitzende des AOK-Bundesverbandes, Carola Reimann, heute zur Eröffnung der jährlichen AOK-Selbsthilfe-Fachtagung in Berlin. „Sie bewirken Panikattacken, soziale Phobien, Depressionen. Und einige Betroffene – besonders junge – treiben sie sogar in den Suizid.“ Daher sei es wichtig, ein Bewusstsein für diese Problematik zu schaffen und die digitale Inklusion voranzutreiben.

Bei der Tagung diskutierten Expertinnen und Experten aus Wissenschaft und Hilfsorganisationen gemeinsam mit Selbsthilfe-Aktiven und Influencern über wirksame Strategien gegen Hass im Netz.

Warum es sich lohnt, trotz Hass und Hetze den digitalen Raum nicht einfach aufzugeben, machte Anna-Lena von Hodenberg deutlich. Die Gründerin und Geschäftsführerin der Hilfsorganisation HateAid verwies auf die Chancen, die die sozialen Medien marginalisierten Gruppen böten. „Früher wurde in den Medien über Menschen mit Behinderungen oder chronischen Erkrankungen immer nur aus der Perspektive von Nicht-Betroffenen berichtet, meist mit einem mitleidigen Unterton“, so von Hodenberg. Die sozialen Medien hätten das verändert. Erstmals seien alle Menschen gleichermaßen in der Lage, ihre Geschichten aus ihrer eigenen Perspektive zu erzählen. Doch der Wind habe sich gedreht, warnte sie: „57 Prozent der Internetnutzerinnen und -nutzer trauen sich seltener, ihre politische Meinung im Netz zu sagen, aus Angst vor Hass und Hetze.“ Hass schränke die Meinungsfreiheit und den demokratischen Diskurs ein, warnte von Hodenberg. „Mein ultimativer Rat lautet deshalb: lassen Sie sich nicht aus dem Netz verdrängen.“

Laut HateAid stehen Menschen mit Behinderungen oder chronischen Krankheiten sowie andere marginalisierte Gruppen ganz besonders im Fokus von Attacken bei Instragram, TikTok & Co. In der Studie „Lauter Hass – leiser Rückzug“ der Hilfsorganisation gaben 15 Prozent der Befragten an, schon einmal Opfer von Hass im Netz geworden zu sein. Und fast die Hälfte der befragten Internetnutzerinnen und -nutzer (45 Prozent) bestätigten, dass sie schon beobachtet haben, wie sich der Hass gegen andere richtete.

Ludwig Bilz von der Brandenburgisch Technischen Universität Cottbus-Senftenberg (BTU) unterstrich, Hasskommentare seien mitnichten ein rein digitales Phänomen. Einer aktuellen Studie zufolge sind 27 Prozent der befragten Kinder und Jugendlichen schon selbst an ihrer Schule Ziel von Hatespeech geworden. Die häufigste Form seien beleidigende Witze, die sich zumeist mit der Hautfarbe oder der Herkunft von Menschen beschäftigten, gefolgt von Beleidigungen gegen die sexuelle Orientierung oder die Religion, erläuterte Bilz die Ergebnisse seiner Studien. (omü)

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