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Debatte um höhere Steuern für Ungesundes ebbt nicht ab

19.01.2026 3 Min. Lesedauer

Verbände und Industrie streiten weiterhin um eine angemessene Abgabe für ungesunde Lebensmittel wie Zucker und Alkohol, aber auch für Tabak. Im Kampf gegen ernährungsbedingte Krankheiten wie Diabetes oder Adipositas sei es „hanebüchen zu glauben, dass eine Zuckersteuer die Lösung ist“, sagte der Hauptgeschäftsführer der Bundesvereinigung der Deutschen Ernährungsindustrie (BVE), Christoph Minhoff, im Interview mit der „Welt“. Das Wissenschaftsbündnis Deutsche Allianz Nichtübertragbare Krankheiten (Dank) appellierte hingegen anlässlich der aktuell laufenden Ernährungsmesse „Grüne Woche“ in Berlin erneut an die Politik, die wirksame Prävention von vermeidbaren Krankheiten „nicht zu verschleppen“.

„2026 muss das Jahr der Prävention werden“, forderte Barbara Bitzer, Dank-Sprecherin und Geschäftsführerin der Deutschen Diabetes Gesellschaft (DDG). Abzuwarten und untätig zu bleiben, koste Lebensjahre und Wirtschaftskraft. Hohe Krankheitslast und steigende Kosten erforderten dringend eine „gesunde Mehrwertsteuer“ und höhere Abgaben auf Alkohol sowie Tabak. Ebenso brauche es mehr Kinderschutz in der Lebensmittelwerbung. Deutschland könne es sich nicht weiter leisten, Milliardenbeträge für vermeidbare Krankheiten auszugeben, während gleichzeitig Kinderzimmer mit Werbung für Zucker- und Fettbomben geflutet würden.

Das Wissenschaftsbündnis begrüßte besonders die jüngste Initiative der CDU in Schleswig-Holstein zur Einführung einer Herstellerabgabe auf zuckergesüßte Getränke. Die Verbände sehen die Politik generell in der Pflicht, Maßnahmen zu ergreifen, die Menschenleben schützen, chronische Erkrankungen verhindern und das Gesundheitssystem entlasten. „Verhältnisprävention darf kein Tabu mehr sein“, betonte Bitzer. Sie sei das wirksamste Instrument, um gesunde Lebensjahre sowie die wirtschaftliche Stabilität des Landes zu sichern.

Illustration: Eine Person steht auf der Laufbahn. Unter ihrem Schuh liegen Alkoholflaschen, eine Zigarette und ein Aschenbecher.
Vier von zehn Todesfällen sind auf Rauchen, ungesunde Ernährung, Alkoholkonsum und Bewegungsmangel zurückzuführen. Der Public Health Index des AOK-Bundesverbandes und des Deutschen Krebsforschungszentrums zeigt, wie sich das ändern ließe. Er vergleicht die Präventionspolitik im 18 europäischen Ländern.
17.12.2025Oliver Huizinga7 Min

Minhoff monierte, dass keine der von Befürwortern angeführten Modellstudien die notwendigen Standards erfülle. In der Folge einer Einführung der Zuckersteuer in mehr als 50 Ländern, darunter Großbritannien oder Mexiko, seien zwar Tausende Tonnen weniger Zucker zum Beispiel in Limonaden verwendet worden. In den Studien sei jedoch nicht berücksichtigt worden, ob die Leute ihre Lust auf Süßes nicht mit anderen Lebensmitteln gestillt hätten. „Der Rückgang des Zuckerkonsums ist etwas anderes als Verbesserung der Gesundheit“, so Minhoff. Er forderte stattdessen mehr Aufklärung über die gesundheitlichen Folgen des Zuckerkonsums.

Dass es in Deutschland viel Nachholbedarf in der Prävention gibt, zeigte jüngst der von AOK-Bundesverband und Deutschem Krebsforschungszentrum (DKFZ) veröffentlichte Public Health Index. Deutschland gehörte mit Platz 17 von 18 zu den Schlusslichtern im europäischen Vergleich. (imo)

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Vorstellung des neuen Public Health Index

Wo steht Deutschland beim Thema Prävention im internationalen Vergleich?