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Ziebarth: Teilzeit-Krankschreibung brächte Millionen extra Arbeitstage

23.01.2026 3 Min. Lesedauer

Für die Einführung von Teilzeit-Krankschreibungen in Deutschland spricht sich der Volkswirtschaftsprofessor Nicolas Ziebarth aus. „Gelänge es, nur zehn Prozent der gut 900 Millionen Fehltage in Halbtagskrankschreibungen umzuwandeln, würden der deutschen Wirtschaft in etwa 45 Millionen Arbeitstage zugeführt“, schreibt der Wissenschaftler aus Mannheim in der neuen Ausgabe der G+G Wissenschaft. „Das ist ungefähr so viel wie bei der Streichung eines nationalen Feiertages und ein Vielfaches der geschätzten Beschäftigungswirkung der CDU-Aktivrente.“

Alle skandinavischen Länder hätten die Möglichkeit der Teilzeit-Krankschreibung bereits geschaffen. In Schweden entfalle gut ein Drittel aller Krankschreibungen auf die Teilzeitvariante bei einer Restarbeitsfähigkeit von 25, 50 oder 75 Prozent. „Je nach Krankheitsbild und Beruf ist es in gewissen Fällen sehr wohl möglich, einen halben, aber keinen ganzen Arbeitstag zu arbeiten“, so Ziebarth. „Gängige Anwendungsgebiete wären leichte Erkältungskrankheiten bei stundenweiser Arbeit im Homeoffice, Rückenschmerzen oder psychische Erkrankungen.“

Zudem läge es im Entscheidungsspielraum von Unternehmen, „sinnvolle positive Anreizsysteme zu entwickeln, gemäß denen Arbeitnehmer mit weniger Fehltagen höhere monetäre Vergütungen erhalten“. Forschung könne dabei unterstützen, kluge Systeme zu entwickeln, die keine unerwünschten Verhaltensweisen auslösen.

Die Einführung von Karenztagen oder einer Absenkung der Lohnersatzleistung wären aus wohlfahrtsökonomischer Sicht hingegen wenig sinnvoll, meint Ziebarth, da sie unerwünschte Nebenwirkungen haben könnten. Unter Umständen stiegen dann die Fehlzeiten sogar, etwa aufgrund des sogenannten ansteckenden Präsentismus (Menschen kommen infektiös zur Arbeit und stecken Kolleginnen oder Kollegen an). Im Falle von Karenztagen melden sich manche Arbeitnehmer auch länger krank, um bei einem Rückfall keinen erneuten Karenztag zu riskieren. In Schweden seien nach Abschaffung eines Karenztages die Fehlzeiten um drei Prozent gesunken.

Ein Gutachten des Iges-Instituts im Auftrag des Bundesgesundheitsministeriums hatte bereits 2018 zur Einführung von Teilzeit-Krankschreibungen geraten. Das Werk trägt den Titel „Teilzeitarbeitsfähigkeit und Teilkrankengeld“ und benennt als positive Effekte „eine schnellere Rückkehr in den Beruf im Vergleich zu Personen ohne Teilarbeitsunfähigkeit, eine höhere Wahrscheinlichkeit für eine vollständige Rückkehr in den Beruf sowie teilweise eine Verringerung von Fällen mit langfristiger Arbeitsunfähigkeit“. (ink)

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