Gewalt gegen Ärzte muss strafrechtlich verfolgt werden
Europaweit haben Ärzte, Pflegende und weitere Beschäftigte im Gesundheitswesen vor zunehmender Gewalt gegen Angehörige medizinischer Berufe protestiert und strengeren Schutz verlangt. Gewalt gegen Ärztinnen und Ärzte sowie andere Beschäftigte im Gesundheitswesen sei „längst kein Einzelfall mehr“, betonte der Marburger Bund (MB) am heutigen Europäischen Tag gegen Gewalt im Gesundheitswesen. Viele seien im Arbeitsalltag mit Beschimpfungen, Bedrohungen und körperlichen Angriffen konfrontiert. Die Bundesärztekammer (Bäk) forderte Meldesysteme, um Vorfälle unkompliziert zu dokumentieren. Die Ärztekammer Berlin machte sich für eine strafrechtliche Verfolgung stark.
„Wer im Gesundheitswesen arbeitet, muss seine Arbeit ohne Angst vor Gewalt ausüben können“, sagte MB-Vorsitzende Susanne Johna. Eine bundesweite Befragung des MB unter rund 10.000 Mitgliedern zeigt das Ausmaß: Zwölf Prozent der Klinikärztinnen und -ärzte berichteten, häufig verbale Gewalt zu erleben, ein Drittel gelegentlich. Körperliche Gewalt erfuhren zehn Prozent manchmal, zwei Prozent häufig. 41 Prozent registrierten in den letzten fünf Jahren eine Zunahme von Übergriffen.
Auch die Bäk sieht ein wachsendes Problem. Beschimpfungen, Bedrohungen und körperliche Angriffe hätten mittlerweile ein „inakzeptables Niveau“ erreicht. Arztpraxen und Krankenhäuser seien „Orte der Genesung und des Vertrauens“, unterstrich Bäk-Präsident Klaus Reinhardt, für Beschäftigte jedoch mitunter „echte Gefahrenzonen“. Gewaltdelikte gegen medizinisches Personal müssten konsequent verfolgt und geahndet werden.
Mehrere Landesärztekammern warnen ebenfalls vor der Entwicklung. „Angriffe auf medizinisches Personal sind konsequent zu ächten und strafrechtlich zu verfolgen“, sagte Peter Bobbert, Präsident der Ärztekammer Berlin. Praxen und Krankenhäuser müssten Orte sein, „an denen Vertrauen und Sicherheit garantiert sind“.
Die Präsidentin der Ärztekammer Niedersachsen, Marion Charlotte Renneberg, wies darauf hin, dass solche Vorfälle die Gesundheitsversorgung „enorm“ belasten. Während eines Übergriffs könne die Behandlung unterbrochen oder verzögert werden. Das berge „Risiken für die Patientensicherheit“.
Auch in Brandenburg beobachtet die Landesärztekammer mehr Gewaltbereitschaft. „Ärztinnen und Ärzte gehen jeden Tag zur Arbeit, um Menschen zu helfen – nicht, um beleidigt, bedroht oder geschlagen zu werden“, sagte Präsident Frank-Ullrich Schulz. Die Kammer hat 2025 eine Meldestelle „Gewalt gegen Ärztinnen und Ärzte“ eingerichtet.
Der Europäische Tag gegen Gewalt im Gesundheitswesen am 12. März wurde von der europäischen Vereinigung der Ärztekammern (CEOM) im Jahr 2020 initiiert. Ziel ist es, auf zunehmende Übergriffe aufmerksam zu machen und den Schutz von Beschäftigten zu verbessern. (sr)
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