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Geschlechtskrankheiten nehmen europaweit stark zu

07.03.2024 3 Min. Lesedauer

Syphilis, Gonorrhö, Chlamydien: Europa verzeichnet einen deutlichen Anstieg bei sexuell übertragbare Krankheiten, wie die Europäische Gesundheitsbehörde ECDC heute mitteilte. „Leider sprechen die Zahlen eine deutliche Sprache“, sagte ECDC-Direktorin Andrea Ammon. Die Zahl der gemeldeten Fälle von Syphilis sei 2022 um Vergleich zum Vorjahr um 34 Prozent gestiegen. Bei der Gonorrhö habe es einen Zuwachs von 48 Prozent und bei Chlamydien von 16 Prozent gegeben.

Nach Ansicht der ECDC-Direktorin ist es dringend nötig, das Bewusstsein für sexuell übertragbare Krankheiten zu schärfen, die Prävention zu verstärken und den Zugang zu Tests und medizinischer Behandlung sicherzustellen. Laut der Stockholmer Behörde ist der starke Anstieg bei den sexuell übertragbaren Krankheiten nicht allein ein Nachholeffekt der Corona-Pandemie. Nachdem in den Jahren 2020 bis 2021 die Fälle gesunken seien, lägen die Meldungen für 2022 klar über dem erwartbaren Werten.

Die ECDC verzeichnet für 2022 sowohl bei Chlamydien als auch bei Gonorrhö neue Rekordmeldestände. Besonders in der Altersgruppe der 20- bis 24-Jährigen sei bei diesen beiden Infektionen ein deutlicher Anstieg zu erkennen,  erklärte ECDC-Expertin Lina Nerlander. Bei Syphilis sei 2022 erstmals seit den letzten zehn Jahren ein deutliche Zunahme der Infektionen bei heterosexuellen Männern und Frauen zu verzeichnen gewesen. „Wir müssen junge Menschen für das Thema Geschlechtskrankheiten sensibilisieren, weil sie vielleicht denken, dass das eine Sache der Vergangenheit ist,“ betonte Nerlander. Stigma und Scham dürften keine Hindernisse bei der Behandlung dieser Krankheiten sein.

Sexuell übertragbare Infektionen wie Chlamydien, Gonorrhö und Syphilis seien behandelbar, könnten unbehandelt aber zu schweren gesundheitlichen Komplikationen führen, betonte Ammon. Sie wies gleichzeitig darauf hin, dass die Zahlen vermutlich nur die „Spitze des Eisbergs“ darstellten. Aufgrund unterschiedlicher Test- und Meldepraktiken in den insgesamt 31 Ländern der EU und des Europäischen Wirtschaftsraums (EWR) werde die tatsächliche Krankheitslast durch Syphilis, Gonorrhö und Chlamydien möglicherweise unterschätzt. So meldete beispielsweise Deutschland bislang keine Daten zur Ausbreitung von Chlamydien und Gonorrhö, im Volksmund auch „Tripper” genannt, an die ECDC, da erst 2022 eine gesetzliche Meldepflicht für diese beiden Krankheiten eingeführt wurde. Bei Syphilis meldete Deutschland für 2018 insgesamt 7.367 Fälle, für das darauffolgende Jahr 7.928 Fälle. In 2022 waren es 8.301 Erkrankungen. (at)

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