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Kosten für Pflegeheimplatz ziehen weiter deutlich an

22.01.2026 3:00 Min. Lesedauer

Für Pflegebedürftige wird ein Platz in einem Pflegeheim immer teurer. Der Eigenanteil ist erneut gestiegen und lag im Dezember 2025 laut einer Analyse des Wissenschaftlichen Instituts der AOK (WIdO) im Schnitt bei 2.605 Euro. Im ersten Wohnjahr waren es sogar 3.204 Euro. Die von der schwarz-roten Koalition versprochene Pflegereform gewinnt damit weiter an Dringlichkeit. Die Vorstandschefin des AOK-Bundesverbandes, Carola Reimann, betonte, dass es dafür „keine Patentrezepte“ gebe. Es müsse „an verschiedenen Schrauben gedreht werden, um die Eigenbeteiligung der Pflegebedürftigen in den vollstationären Einrichtungen wirksam zu begrenzen“.

Erstmals stiegen die durchschnittlichen Gesamtkosten für einen Platz im Pflegeheim laut WIdO auf mehr als 5.000 Euro. Die durchschnittliche Eigenbelastung von 2.605 Euro pro Monat war ein Jahr zuvor noch 169 Euro niedriger. Am höchsten sind die Kosten im ersten Jahr, da der Leistungszuschlag bei 15 Prozent liegt. Hier stieg die Belastung um 112 Euro. Am günstigsten wird es ab einer Wohndauer von mehr als drei Jahren mit einem Zuschlag von 75 Prozent. Hier betrug der Eigenanteil der Analyse zufolge im vergangenen Monat 2.044 Euro. 

Der Verband der Ersatzkassen (Vdek) hat heute ebenfalls Zahlen zum 1. Januar vorgelegt. Den Eigenanteil im ersten Wohnjahr gibt er mit 3.245 Euro (plus 261 Euro zum Vorjahr) an.

Grund für den weiteren Anstieg trotz der Zuschüsse zur Entlastung und der Dynamisierung der Leistungen sind nach WIdO-Angaben unter anderem höhere Lohnkosten durch Tarifbindung für die Mitarbeitenden sowie die Inflation. Mit einem Plus von 9,7 Prozent im Vergleich zu 2024 sind die Eigenanteile zwar nicht mehr ganz so stark gestiegen wie in den Jahren zuvor. Aber: „Gerade im Nordosten sehen wir erneut sehr große Steigerungsraten bei den Eigenanteilen, die Pflegeheim-Bewohnende zu zahlen haben“, sagte AOK-Vorständin Reimann. Das habe nicht zuletzt mit den politisch gewünschten Tarifsteigerungen zu tun. Im Vergleich der Bundesländer variieren die Zuzahlungen stark. So war ein Platz in Nordrhein-Westfalen mit 2.969 Euro am teuersten und in Sachsen-Anhalt mit 2.111 Euro am günstigsten.

Bundesgesundheitsministerin Nina Warken sagte, für die stetig steigenden Eigenanteile müssten Lösungen gefunden werden. Die Bund-Länder-AG habe verschiedene Möglichkeiten aufgeführt. „Die anstehende Pflegereform muss nun für mehr Verlässlichkeit sorgen”, so die CDU-Politikerin. Eine spürbare Entlastung sei aber nur zu erreichen, wenn alle ihren Beitrag leisteten und ihren Verpflichtungen nachkämen. Gleichzeitig müsse die Eigenvorsorge attraktiv gestaltet sein.

Reimann kritisierte, die Pflegeheim-Bewohnenden müssten mit ihren Eigenanteilen „die Versäumnisse der Länder bei der Finanzierung der Investitionskosten für die Pflegeeinrichtungen ausgleichen“. Ebenso könnte die Herausnahme der Ausbildungskosten die Belastungen dämpfen. „Dies würde die Pflegebedürftigen in den Heimen auf einen Schlag um etwa eine Milliarde Euro entlasten.“ 

Heftige Kritik an den für viele kaum noch zu stemmenden Kosten in der stationären Pflege kam von der Opposition sowie Sozial- und Pflegeverbänden. Die pflegepolitische Sprecherin der Grünen, Simone Fischer, monierte, notwendige Vorschläge lägen längst auf dem Tisch, es fehlten „klare politische Entscheidungen“. Der Paritätische Gesamtverband erneuerte seine Forderung nach einer solidarischen Pflegevollversicherung. (imo)

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