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Arbeitgeberchef fordert kürzere Lohnfortzahlung

02.01.2026 3 Min. Lesedauer

Arbeitgeberpräsident Rainer Dulger ist mit alten Forderungen ins neue Jahr gestartet. Der Chef der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA) sprach sich im Interview mit der „Welt“ für eine zeitliche und finanzielle Begrenzung der Lohnfortzahlung im Krankheitsfall sowie das Abschaffen der telefonischen Krankschreibung aus. Nötig seien zudem mehr Arbeitsunfähigkeitskontrollen durch die Medizinischen Dienste. Der Vorstandschef der Techniker Krankenkasse (TK), Jens Baas, kritisierte die Pläne als „kontraproduktiv“.

Dulger plädierte für eine Lohnfortzahlung von höchstens sechs Wochen pro Jahr und nicht mehr für sechs Wochen je Erkrankung. „Internationale Erfahrungen zeigen: je großzügiger die Lohnfortzahlung, desto höher die Fehlzeiten, vor allem bei leichten Erkrankungen“, so der Verbandspräsident. Überdies will er Zuschläge für Nacht-, Sonntags- und Mehrarbeit beim Berechnen der Lohnfortzahlung nicht mehr berücksichtigen. Die in der Corona-Pandemie eingeführte telefonische Krankschreibung sei inzwischen ein „Einfallstor für Missbrauch“. Videosprechstunden seien das bessere Instrument.

Die Deutschen seien „in der Summe“ nicht kränker als andere, sagte TK-Chef Baas dem „Focus“. Um hohe Fehlzeiten zu vermeiden, seien „gesundheitsfördernde Arbeitsprozesse und eine wertschätzende Arbeitskultur“ wichtiger als Einschnitte bei der Lohnfortzahlung. Deshalb rate er Führungskräften durchaus, sich telefonisch nach dem Befinden erkrankter Mitarbeiter zu erkundigen – „aus Besorgtheit, nicht als Kontrolle“. Er beobachte jedoch seit der Pandemie eine Mentalitätsänderung, so Baas. Beschäftigte im Homeoffice würden sich auch bei einer leichten Erkältung eher mal krankmelden. „Vorher hätte man gesagt: ‚Ich gehe lieber arbeiten‘.“

Nach AOK-Daten fielen Beschäftigte 2024 im Schnitt 23,9 Tage krankheitsbedingt aus. Haupttreiber der Entwicklung waren laut Fehlzeiten-Report des Wissenschaftlichen Instituts der AOK (WIdO) Atemwegserkrankungen und eine zunehmende Zahl von Langzeiterkrankungen von mehr als sechs Wochen, darunter insbesondere psychische Erkrankungen. Für das Gesamtjahr 2025 rechnet das WIdO mit einer ähnlichen Entwicklung. Die zuletzt hohen Krankenstände hätten allerdings auch mit der Einführung der elektronischen Krankmeldung 2021 zu tun. Fehlzeiten würden dadurch vollständiger erfasst. (toro)

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