Patientensteuerung: Experten fordern rasche Primärversorgung
Auf eine rasche Umsetzung des geplanten Primärversorgungssystems drängen Politik, Wissenschaft, Ärzteschaft und Krankenkassen. „Eine guter Zugang zur Versorgung sowie funktionierende Anschlüsse während der Versorgung sind essenzielle Grundbedürfnisse der Bürgerinnen und Bürger. Gute Versorgung ist demokratierelevant“, sagte Matthias Mohrmann, stellvertretender Vorstandsvorsitzender der AOK Rheinland/Hamburg, heute auf der Veranstaltung „AOK im Dialog“ in Düsseldorf. Deutschland brauche „weniger akademische Diskussion“ und müsse sich an anderen Ländern orientieren. Auch hierzulande gebe es schon gute Beispiele wie in Berlin-Kreuzberg oder Hamburg-Veddel.
Georg Kippels (CDU), Parlamentarischer Staatssekretär im Bundesgesundheitsministerium, rief im Gespräch mit dem Vorstandsvorsitzenden der AOK Rheinland/Hamburg, Günter Wältermann, dazu auf, „gemeinschaftlich die verschiedenen Stellschrauben“ zu identifizieren. Deutschland habe weniger ein Finanzierungs- als ein Strukturproblem. Beispielsweise müssten medizinisch nicht begründete Doppeluntersuchungen vermieden werden. „Wir wollen den Patienten nicht bevormunden, aber begleiten.“
Für den Vorstandsvorsitzenden der Kassenärztlichen Vereinigung Nordrhein, Frank Bergmann, liegt die Ursache für die aktuellen Probleme nicht in der Zahl der Ärztinnen und Ärzte: „Die Köpfe sind mehr geworden, aber nicht die Arztzeit, vor allem durch Teilzeitbeschäftigte.“ Gleichzeitig gingen viele Vertragsärzte in den Ruhestand. 80 Prozent der Fälle in den Portalpraxen seien Bagatellerkrankungen. Deshalb müsse für Patientinnen und Patienten die Möglichkeit bestehen, „in ein anderes Angebot als die Arztpraxis zu steuern, unterhalb der ärztlichen Schiene“.
Angesicht der aktuellen Krisen sei es wichtig, dass „wir eine Debatte führen, die nach vorne zeigt“, sagte der SPD-Bundestagsabgeordnete Daniel Rinkert. Die Menschen dürften nicht das Gefühl haben, dass ihnen etwas weggenommen werde. Angela Koch, Leiterin der „Gesundheitsdrehscheibe“ in Graz, forderte „Chancengleichheit und einen Zugang zum Gesundheitssystem für alle, die einen Bedarf haben“. In der „Gesundheitsdrehscheibe“ biete ein multiprofessionelles Team – ohne ärztliche Beteiligung – Menschen niedrigschwellige Unterstützung bei gesundheitlichen Fragen. Auch Nils Gutacker, Professor am Centre for Health Economics University of York/England und Mitglied des Sachverständigenrats Gesundheit und Pflege, verwies auf ein aktives „Gatekeeping-System“ in Deutschlands Nachbarländern. Durch dieses ließen sich Patientinnen und Patienten einfacher steuern. Durch den Einsatz von Advanced Practice Nurses ließen sich auch „neue Strukturen schaffen, die viel besser zugänglich und effizienter sind für die Patienten“.
Auf der Veranstaltung beschäftige sich eine zweite Diskussionsrunde mit den Möglichkeiten der Prävention in den Kommunen. Notwendig sei einen Paradigmenwechsel – wegen der Krankheitsbehandlung hin zur Krankheitsvermeidung. (ts)
Datenschutzhinweis
Ihr Beitrag wird vor der Veröffentlichung von der Redaktion auf anstößige Inhalte überprüft. Wir verarbeiten und nutzen Ihren Namen und Ihren Kommentar ausschließlich für die Anzeige Ihres Beitrags. Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht, sondern lediglich für eventuelle Rückfragen an Sie im Rahmen der Freischaltung Ihres Kommentars verwendet. Die E-Mail-Adresse wird nach 60 Tagen gelöscht und maximal vier Wochen später aus dem Backup entfernt.
Allgemeine Informationen zur Datenverarbeitung und zu Ihren Betroffenenrechten und Beschwerdemöglichkeiten finden Sie unter https://www.aok.de/pp/datenschutzrechte. Bei Fragen wenden Sie sich an den AOK-Bundesverband, Rosenthaler Str. 31, 10178 Berlin oder an unseren Datenschutzbeauftragten über das Kontaktformular.