Auf der Suche nach dem Weg zur Primärversorgung
Wie das geplante Primärversorgungssystem konkret ausgestaltet werden soll, bleibt umstritten. Das zeigte die Premiere der Diskussionsrunde „Politik & Debatte Live“ der „Ärztezeitung“. Vertreterinnen und Vertreter von Ärzteschaft, Krankenkassen und Pflege teilten zwar das Ziel. Bei den möglichen Wegen zeigten sich aber Unterschiede.
So sprach sich Carola Reimann, Vorstandsvorsitzende des AOK-Bundesverbandes, für eine „strukturelle Weiterentwicklung des Systems“ aus: „Aus unserer Perspektive ist die Primärversorgung künftig mehr als eine klassische Hausarztpraxis.“ Erforderlich seien interprofessionelle Teams, verbindliche Steuerung sowie „klar definierte und verbindliche Versorgungsaufträge“. Auch eine andere Bedarfsplanung und eine andere Vergütung seien notwendig. „Mehr Geld ins System zu geben“, sei den Krankenkassen nicht mehr möglich.
Christine Vogler, Präsidentin des Deutschen Pflegerats, plädierte für ein erweitertes Verständnis von Primärversorgung. Diese dürfe „nicht konkurrenzhaft“ gedacht werden, sondern müsse sich daran orientieren, „wie die Patienten und Pflegebedürftigen im System unterwegs sind“. Als „Schlüsselsituationen für die Zukunft“ bezeichnete sie die Verteilung von Verantwortung auf die im Gesundheitswesen tätigen Berufsgruppen. Mit Verweis auf internationale Modelle betonte sie, dort könnten Pflegefachpersonen und andere Gesundheitsberufe „in ihrem Rahmen, in ihrer Qualifikation die Kompetenzen selbstständig leben und auch abrechnen“. Vogler: „Wir müssen das Gesundheitssystem breiter und weiter denken."
Stephan Hofmeister, stellvertretender Vorstandsvorsitzender der Kassenärztlichen Bundesvereinigung, verwies auf das unterschiedliche Verständnis von Steuerung in der Primärversorgung: „Ich glaube, wir müssten uns mal darüber unterhalten, was eigentlich Steuerung meint.“ Im Wesentlichen gehe es bei der Primärversorgung um Haus- und Kinderärzte. Skeptisch äußerte er sich zum Einsatz digitaler Ersteinschätzungssysteme am Tresen – „das geht nicht“. Entscheidend sei vielmehr „eine hervorragend funktionierende Digitalisierung, unbedingt Verbindlichkeit, sonst geht das ins Leere und wir können uns den ganzen Aufwand sparen“. Er forderte „weiterentwickelte, gute und geeignete digitale Instrumente, die den Praxisalltag vereinfachen und nicht komplizieren“.
Markus Blumenthal-Beier, Co-Bundesvorsitzender des Hausärztinnen- und Hausärzteverbandes, warnte davor, das System noch weiter zu fragmentieren. Zudem könne zu viel Einsatz von Künstlicher Intelligenz die Zahl der Arztkontakte erhöhen und einen „künstlichen Flaschenhals“ erzeugen. Hinsichtlich Interprofessionalität stellte er klar: „Wir wissen, dass es ohne Arbeitsteilung nicht geht.“ Allerdings brauche es „eine zusammenführende Verantwortlichkeit“ sowie „eine letztendliche Entscheidung“. (ts)
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