Gesundheitsversorgung mit „Performanceproblemen“
An der Notwendigkeit von Reformen des Gesundheitssystems bestehen kaum Zweifel. Das zeigte die Diskussion von Vertretern aus Politik, Wissenschaft, Medizin und Krankenkassen auf dem DRG-Forum heute in Berlin. Die Sorgen nähmen zu, die Unzufriedenheit wachse, das zeigten auch regelmäßig Umfragen, konstatierte Carola Reimann, Vorstandsvorsitzende des AOK-Bundesverbandes. „Das System ist nicht schlecht, aber es ist reformbedürftig.“
In Deutschland sei es zwar kein unkalkulierbares finanzielles Risiko, krank zu werden, unterstrich Reimann. Bei der Versorgung jedoch „haben wir Performanceprobleme“, weil die Versicherten immer mehr zahlten, der Beitragssatz steige, und das, was die Versicherten an Performance erlebten, eben nicht das sei, was sie erwarten würden, etwa lange Wartezeiten für Facharzttermine, aber auch häufig die Qualität der Versorgung. Auf mehr Effizienz im System drängte die AOK-Vorständin. „Wir möchten mehr Qualität und eine bessere Nutzung der Ressourcen.“
„Wir haben das Problem, dass wir immer mehr Geld ausgeben“, stimmte Jens Scholz, Vorstandsvorsitzender des Verbands der Universitätsklinika Deutschlands, zu. Früher seien viele Menschen davon ausgegangen, „wir hätten das beste Gesundheitssystem der Welt. Und wenn wir jetzt die Zahlen anschauen, dann haben wir es eben nicht mehr.“ Als positiv bewertete er die Innovation in der Medizin. Dadurch seien bessere und personalisierte Behandlungen möglich, so dass mehr Menschen überleben. Das sei „echte Qualität“. „Aber dann kostet eine Therapie halt mal leicht zwei Millionen Euro oder mehr“, so Scholz. Eine solche Verbesserung der Qualität sei auch das ursprüngliche Ziel der Krankenhausreform gewesen. Doch jetzt stehe nicht mehr die Qualität der Versorgung im Fokus der Debatte, sondern der Erhalt bestehender Strukturen.
Einen Mangel an Gerechtigkeit im Gesundheitssystem machte der gesundheitspolitische Sprecher der Linken-Bundestagsfraktion, Ates Gürpinar, aus: „Es kann nicht gerecht sein, wenn Durchschnittsverdienende den Löwenanteil im Versicherungssystem zahlen.“ Unterstützt wurde er vom Grünen-Bundestagsabgeordneten Johannes Wagner. „Es gibt Ungerechtigkeiten, keine Frage, da müssen wir auch besser werden.“ Dennoch gebe es nur wenige Gesundheitssysteme, die so gut seien wie Deutschland. Auch nach seiner Einschätzung gibt es „einen riesigen Reformbedarf“. Doch die Bundesregierung sei „sowas von angstbehaftet, dass ich wenig erwarte“. (bhu)
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