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Suchtbericht: Zahlen zum Alkoholkonsum sind ernüchternd

16.04.2026 2 Min. Lesedauer

Trotz leichter Rückgänge ist der Konsum legaler Drogen in Deutschland weiterhin auf hohem Niveau. Das zeigt die heute veröffentlichte Analyse der Deutschen Hauptstelle für Suchtfragen (DHS). Fachleute monieren deutliche Defizite in der Präventionspolitik und fordern wirksamere Maßnahmen. Zugleich wächst der politische Druck, besonders bei Alkohol- und Tabakkonsum gegenzusteuern.

Laut DHS hat Deutschland eine der am wenigsten restriktiven Alkoholgesetzgebungen in Europa und nach wie vor einen überdurchschnittlich hohen Konsum. Dieser verursacht hierzulande erhebliche gesundheitliche und gesellschaftliche Schäden. Rund 69 Prozent der Erwachsenen haben in den vergangenen 30 Tagen Alkohol konsumiert, etwa 1,7 Millionen Menschen gelten als missbräuchliche Konsumierende und weitere 2,16 Millionen als abhängig. Die Fachleute gehen von einer erheblichen Dunkelziffer aus. Jährlich sind laut DHS rund 44.000 Todesfälle auf Alkoholkonsum zurückzuführen. Zudem stehen etwa sieben Millionen Krankenhausbehandlungen ganz oder teilweise im Zusammenhang mit Alkohol. Vor diesem Hintergrund rückt die Prävention stärker in den Fokus. Carola Reimann, Vorstandsvorsitzende des AOK-Bundesverbandes, sagte beim ersten AOK-Präventionsgipfel: „Es geht nicht um Bevormundung und Verbote, sondern um positiv wirkende gesundheitsförderliche Rahmenbedingungen.“

„Alkohol ist kein ‚gewöhnliches Genussmittel‘. Es gibt keinen gesundheitlich unbedenklichen oder gar gesundheitsförderlichen Konsum“, betont die Suchtmedizinerin und Mitautorin Francesca Borlak. Der durchschnittliche Pro-Kopf-Konsum liege weiterhin über dem europäischen Durchschnitt. Zwar ist die versteuerte Alkoholmenge zuletzt gesunken. 2025 wurden jedoch immer noch 149 Millionen Liter versteuert. Auch beim Tabakkonsum zeigt sich nach jahrelangem Rückgang eine Stagnation: 33,7 Prozent der Erwachsenen rauchen. Der Konsum neuer Nikotinprodukte nimmt sogar weiter zu. 

Fachverbände sehen vor allem politischen Handlungsbedarf. Die DHS sowie ein Bündnis von mehr als 25 Fachgesellschaften fordern, unter anderem höhere Steuern und eine eingeschränkte Verfügbarkeit alkoholischer Getränke. „Wir wissen, was wirkt – allerdings haben wir ein großes ungenutztes Potenzial in der Umsetzung geeigneter Maßnahmen“, sagt Mitautorin Carolin Kilian. „Schon einfache Maßnahmen zur Alkoholkontrolle könnten helfen, den immer noch hohen Alkoholkonsum in Deutschland zu senken.“ Sie verwies auf höhere Steuern, eingeschränkte Verfügbarkeit und Werbebeschränkungen. 

Auch die Diakonie drängt auf politische Konsequenzen. „Es sind Zahlen, die wachrütteln“, sagte Sozialvorständin Elke Ronneberger. „Alkoholabhängigkeit ist eine schwere chronische Erkrankung. Darunter leiden nicht nur die Betroffenen selbst und ihre Familien, sondern sie belastet Freundeskreise und Kolleginnen und Kollegen.“ (fb)

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