Degam: Hausärztliche Ressourcen werden falsch genutzt
Die Deutsche Gesellschaft für Allgemein- und Familienmedizin (Degam) sieht sich im Grundsatz für das geplante System der Primärversorgung gut gerüstet. In einem aktuellen Positionspapier widerspricht die Degam Stimmen, die an einer Umsetzung zweifeln, weil es schon jetzt zu wenige Hausarztpraxen gebe. „Es sind genug Hausärztinnen und Hausärzte für ein Primärversorgungssystem vorhanden – unter der Voraussetzung, dass wir unnötige Arbeitsbelastungen reduzieren, dass wir die ärztliche Arbeitszeit für qualitativ hochwertige Versorgung nutzen und außerdem klar definierte Aufgaben an andere Gesundheitsberufe abgeben“, sagte Degam-Präsidentin Eva Hummers bei der Vorstellung des Papiers.
Aktuell verbrächten Ärztinnen und Ärzte mit ihren Praxisteams aus wirtschaftlichen und administrativen Gründen zu viel Zeit mit Leistungen, die für Patientinnen und Patienten keinen nachweisbaren Nutzen haben, kritisierte Verbandsvizepräsidentin Jutta Bleidorn. Als Beispiel nannte Bleidorn zu viele Konsultationen für Arbeitsunfähigkeitsbescheinigungen bei Infekten, quartalsbezogene Wiedervorstellungen oder umstrittene Präventionsleistungen.
Neben einem klugen Einsatz zeitlicher Ressourcen fordert die Degam eine Stärkung der interprofessionellen Zusammenarbeit. Bisher beschränke sich dies vorwiegend auf Medizinische Fachangestellte, oft mit speziellen Weiterbildungen etwa zur Versorgungsassistentin in der Hausarztpraxis (Verah). „Weitere Berufsgruppen wie die Pflege stehen ebenfalls bereit, um mehr Verantwortung zu übernehmen, oder sind im Kommen wie Physician Assistants und Primary Care Manager“, heißt es in dem Papier.
Darüber hinaus fordern die Allgemein- und Familienmediziner eine „effizientere Kommunikation“ und die „verpflichtende zeitnahe digitale Befundübermittlung“. Der Informationsaustausch mit Facharztpraxen oder stationären Einrichtungen sei häufig zu mühsam und zeitaufwändig. „Arztbriefe, die die Hausarztpraxis erst nach Wochen erreichen, oder fehlende Informationen bei Entlassung nach stationärer Behandlung verursachen hohen Arbeitsaufwand“, so die Kritik.
Krankenkassen fordern schon lange, die Primärversorgung zu stärken. Für einen bedarfsgerechten Zugang zur Versorgung für Patientinnen und Patienten und mehr Effizienz im System durch gezielte Steuerung schlägt die AOK vor, die hausärztliche Versorgung zu einem teambasierten Primärversorgungssystem weiterzuentwickeln und eine schnelle Ersteinschätzung des konkreten Bedarfs und der Dringlichkeit einzuführen. So könnten Patienten zielgerichteter an die richtigen Versorgungsebenen vermittelt werden. Die Vorbereitungsarbeiten für die Umsetzung müssten jetzt beginnen, unterstrich der Verband der Ersatzkassen jüngst auf seiner Jahrespressekonferenz. Im Sommer will Bundesgesundheitsministerin Nina Warken einen ersten Gesetzentwurf vorlegen. (rbr)
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