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Diabetes: Fachgesellschaft fordert strukturelle Reformen

24.02.2026 2 Min. Lesedauer

Die Deutsche Diabetes Gesellschaft (DDG) hat auf ihrer Jahrespressekonferenz gesundheitspolitische Weichenstellungen angemahnt, um soziale Ungleichheiten in der Diabetesversorgung abzubauen. Sie verlangt verbindliche Präventionsstrategien, geschlechtersensible Konzepte, eine sozial gerechte Digitalisierung und faire berufliche Teilhabe. Der medizinische Fortschritt sei vorhanden – nun müssten die Strukturen folgen. DDG-Präsidentin Julia Szendrödi betonte die besonderen Risiken für Frauen bei Diabetes.

Aufgrund hormoneller Veränderungen bestehe ein erhöhtes kardiovaskuläres Risiko, vor allem nach einem Gestationsdiabetes und in der Perimenopause. Nach der Schwangerschaft komme es häufig zu einem „Versorgungsbruch“. Szendrödi forderte, die Versorgungsstrukturen zu optimieren. Notwendig seien verbindliche Nachsorgeprogramme, eine bessere Verzahnung der Sektoren und finanzielle Ressourcen. Frauengesundheit sei „kein Nischenthema“.

DDG-Sprecher Baptist Gallwitz verwies auf die Dimension der Erkrankung: 2025 lebten mehr als 9,3 Millionen Menschen mit Diabetes in Deutschland, hinzu kämen ein bis zwei Millionen unerkannte Fälle. Jährlich erkrankten bis zu 500.000 Menschen neu. Besonders in ländlichen Regionen und in den östlichen Bundesländern sei die Prävalenz höher. Hier müsse die Politik „deutlich etwas tun“. Gallwitz sprach sich für eine Abgabe auf zuckerhaltige Limonaden aus, „damit die gesündere Wahl auch die bessere und leichtere Wahl ist“ und dies „ohne zu bevormunden“. Zudem brauche es Standards für gesunde Ernährung in Kitas und Schulen sowie eine verbindliche Lebensmittelkennzeichnung.

Hellgrüne Bildkachel, auf der sich zwei Hände befinden: Die eine hält eine Praline in die Luft, die andere einen roten Apfel. Daneben sind ein Tortendiagramm und eine gelbe Sprechblase mit einem Megaphon zu sehen.
Rauchen, ungesunde Ernährung, Alkoholkonsum und Bewegungsmangel tragen maßgeblich zu Krankheit und vorzeitiger Sterblichkeit bei. Besonders stark betroffen sind davon vulnerable Bevölkerungsgruppen – also Menschen, deren Gesundheitschancen durch niedrigen Sozialstatus, begrenzte finanzielle Ressourcen oder ungünstige Lebensumfelder eingeschränkt…
05.02.2026Stefanie Roloff4 Min

Tobias Wiesner, Vizepräsident der DDG, bezeichnete die Diabetologie als „digitalisierungsgetriebene Datenmanagement-Erkrankung“. Zugleich warnte er vor „digitaler Exklusion“ und dem „Paradoxon der Präventionslücke“: Digitale Angebote erreichten oft die ohnehin gut Informierten, während sozial benachteiligte Menschen weder geeignete Endgeräte noch eine ausreichende digitale Gesundheitskompetenz hätten. Die elektronische Patientenakte müsse „die zentrale Plattform“ für den interdisziplinären Datenaustausch werden. Dafür brauche es gesetzliche Vorgaben, ein digitales, sektorenübergreifendes Disease-Management-Programm und eine angemessene Vergütung.

Zur beruflichen Teilhabe kritisierte Wolfgang Wagener, Vorsitzender des Ausschusses Soziales der DDG, die „Praxis von pauschalen Ausschlüssen“. Trotz moderner Therapien würden Menschen mit Diabetes etwa bei der Bundeswehr ausgemustert oder erhielten kein Seetauglichkeitszeugnis. Diabetes sei „kein Ausschlusskriterium“. Statt genereller Verbote brauche es individuelle Gefährdungsbeurteilungen und mehr Dialog mit Institutionen und Arbeitgebern. (sr)

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