Studie: Unzufriedenheit mit Gesundheitssystem wächst
Das deutsche Gesundheitswesen verliert laut einer Studie deutlich an Rückhalt. Nur noch 62 Prozent der Befragten sind mit dem Gesundheitssystem zufrieden, wie der heute vorgestellte DAK-Gesundheitsmonitor 2026 zeigt. Für die repräsentative Untersuchung befragte das Institut für Demoskopie Allensbach 1.015 Menschen ab 16 Jahren. Zwischen 2012 und 2022 lag demnach dieser Wert konstant über 80 Prozent. Zugleich äußern sich 35 Prozent kritisch – mehr als dreimal so viele wie 2020.
Allensbach-Geschäftsführerin Renate Köcher sieht darin ein Warnsignal für die Politik. Die große Mehrheit mache sich Sorgen, dass sich die Qualität der Versorgung verschlechtere und zugleich die Beiträge weiter steigen würden. „Die Bevölkerung will gut versorgt sein im Krankheitsfall“, sagte Köcher. Ob es gelinge, Kosten zu begrenzen und die Leistungsfähigkeit des Systems zu erhalten, werde wesentlich über die Zufriedenheit mit der Bundesregierung am Ende der Legislaturperiode mitentscheiden.
Zwei Drittel halten umfassende Reformen für notwendig. Vor zehn Jahren waren es 41 Prozent. Zugleich glauben 54 Prozent nicht daran, dass es zu umfassenden Reformen kommt. Bei den 16 abgefragten Vorschlägen aus dem GKV-Sparpaket erhielten nur fünf breite Unterstützung – darunter höhere Rabatte der Pharmahersteller, die Prüfung aller Krankenhausrechnungen durch die Kassen sowie höhere Abgaben auf Tabak und Alkohol und die Einführung einer Zuckersteuer. Wenig Akzeptanz gibt es für Kürzungen oder Mehrkosten etwa beim Zahnersatz, Krankengeld, bei der beitragsfreien Mitversicherung von Ehepartnern oder beim anlasslosen Hautkrebsscreening.
Auch bei der Versorgung berichten viele von Problemen: 35 Prozent machten in den letzten zwei bis drei Jahren schlechtere Erfahrungen mit der ärztlichen Versorgung. 36 Prozent sehen in ihrer Region Ärztemangel, in Ostdeutschland 57 Prozent. 72 Prozent nennen lange Wartezeiten auf Arzttermine, 41 Prozent Probleme bei der Arztsuche. Dass das Gesundheitssystem in zehn Jahren noch ähnlich leistungsfähig ist wie heute, erwarten nur 14 Prozent.
DAK-Vorstandschef Andreas Storm wertete die Ergebnisse als Auftrag an die Politik. „Das deutsche Gesundheitssystem ist krank“, sagte er. Für die Gesundheitsreform von Ministerin Nina Warken (CDU) brauche es „eine Kombination aus fairer Lastenverteilung und mutigen Strukturreformen“. Zugleich machte Storm Mut: Die Aufgabe sei lösbar, wenn kurzfristig die Finanzen stabilisiert und langfristig Strukturreformen umgesetzt würden. Breiten Rückhalt hat laut DAK weiter das Solidarprinzip: 74 Prozent halten es für ein gutes Modell, nur neun Prozent sehen es kritisch. (sr)
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