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CSU plädiert für Ende der telefonischen Krankschreibung

08.01.2026 2 Min. Lesedauer

Die Bundestagsabgeordneten der CSU haben sich auf ihrer Klausurtagung im bayerischen Kloster Seeon für die Abschaffung der telefonischen Krankschreibung ausgesprochen. Die Landesgruppe verabschiedete heute eine entsprechende Beschlussempfehlung. Die bisherige Regelung habe zu einem deutlichen Anstieg der Krankmeldungen geführt und belaste Betriebe wie Volkswirtschaft, heißt es in dem Papier. Arbeitsunfähigkeitsbescheinigungen sollen künftig wieder nur nach einem persönlichen Arztkontakt ausgestellt werden.

Der CSU-Gesundheitspolitiker Stephan Pilsinger sagte G+G: „Dass es seit Einführung der telefonischen Krankschreibung einen signifikanten Anstieg an Krankmeldungen gibt, ist ein deutlicher Hinweis darauf, dass es hier leider auch zu Missbrauch kommt.“ Angesichts der angespannten wirtschaftlichen Lage müsse gegengesteuert werden. Pilsinger betonte, dass eine Rückkehr zur persönlichen ärztlichen Untersuchung die Versorgung nicht verschlechtere. Wer tatsächlich arbeitsunfähig sei, erhalte weiterhin eine Bescheinigung. Der persönliche Arzt-Patienten-Kontakt ermögliche es zudem, schneller die passende Therapie einzuleiten und so die Genesung zu fördern.  

In ihrem Beschluss verweist die CSU auf Entwicklungen seit Einführung der telefonischen Krankschreibung. So sei es insbesondere im Zeitraum nach der Umstellung zu einem sprunghaften Anstieg der erfassten Fehltage gekommen. Der Krankenstand liege mittlerweile über dem Niveau vergleichbarer Industrieländer. Dies wirke sich zunehmend negativ auf Produktivität und Wettbewerbsfähigkeit aus.

Rückendeckung erhält die CSU von der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA). Die telefonische Krankschreibung sei ein Einfallstor für Missbrauch. Kritik kommt dagegen vom Deutschen Gewerkschaftsbund (DGB). Die Dachorganisation verweist darauf, dass der Anstieg der Krankmeldungen vor allem auf statistische Effekte zurückzuführen sei, da Arbeitsunfähigkeitsbescheinigungen seit 2022 vollständig elektronisch an die Krankenkassen übermittelt und damit auch kurze Ausfallzeiten lückenlos erfasst würden.

Analysen des Wissenschaftlichen Instituts der AOK (WIdO) belegen den Zusammenhang hoher Krankenstände und telefonischer Krankschreibung bisher nicht. „Diese gefühlte Wahrheit können wir nicht bestätigten“, sagte die Vorstandsvorsitzende des AOK-Bundesverbandes, Carola Reimann, anlässlich der Veröffentlichung des WIdO-Fehlzeiten-Reports 2024. Die WIdO-Auswertungen zu den Fehlzeiten in der Pandemie ließen den Schluss zu, dass mit der damals neu eingeführten Möglichkeit der telefonischen Krankschreibung sehr verantwortungsvoll umgegangen worden sei. Der Fehlzeiten-Report 2025 sieht die wesentliche Ursache hoher Krankenstände bei den Atemwegserkrankungen, die im Februar 2025 einen neuen Höchststand erreicht hätten. Ein weiterer Einflussfaktor sei mit hoher Wahrscheinlichkeit auch die Einführung der elektronischen Krankmeldung, die laut aktuellen Analysen zu einer vollständigeren Erfassung der Fehlzeiten geführt hat.

Die telefonische Krankschreibung wurde in der Corona-Zeit im Frühjahr 2020 eingeführt, um Arztpraxen zu entlasten und Infektionsrisiken zu reduzieren. Ende 2023 wurde sie dauerhaft in die Regelversorgung überführt und erlaubt seither Krankschreibungen bei leichten Erkrankungen auch ohne persönlichen Praxisbesuch. (fb/sev)

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