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Caritas: Lebenszeit in Pflegeeinrichtungen wird kürzer

04.01.2024 2 Min. Lesedauer

Pflegebedürftige Menschen verbringen heutzutage deutlich weniger Lebenszeit in Einrichtungen der Altenhilfe als noch vor wenigen Jahren. Das geht aus einer heute veröffentlichten bundesweiten Erhebung des Deutschen Caritasverbandes hervor. Demnach ging die durchschnittliche Verweildauer der Bewohner innerhalb von vier Jahren um drei Monate auf 25 Monate zurück.

„Die Situation in der Altenpflege hat sich radikal verändert", betonte Caritas-Präsidentin Eva Maria Welskop-Deffaa. Gründe dafür seien mehr Bürokratie, mehr dementiell Erkrankte in den Einrichtungen und Personalknappheit. „Der Fokus der pflegepolitischen Debatten ist dem nur ungenügend gefolgt", monierte sie. Laut Befragung in 282 stationären Einrichtungen ging die durchschnittliche Verweildauer der Bewohner innerhalb von vier Jahren um drei Monate auf inzwischen 25 Monate zurück. Der Anteil der Pflegebedürftigen, die schon im ersten Jahr in der Einrichtung sterben, liege in fast der Hälfte der befragten Caritas-Altenhilfeeinrichtungen bei mehr als 30 Prozent. In deutlich weniger als der Hälfte der Einrichtungen lebe mehr als ein Drittel der Bewohner drei Jahre und länger. Weiterhin sind laut Analyse mehr als 40 Prozent der Bewohner, die mehr als drei Jahre in der Einrichtung leben, dementiell erkrankt oder ähnlich kognitiv eingeschränkt.

Ausschlaggebend für einen späteren Umzug in eine stationäre Einrichtung ist der Umfrage zufolge oft der Wunsch, möglichst lange in den eigenen Wänden zu leben. Dieser Grund sei 255 Mal genannt worden. Die Sorge vor hohen Eigenanteilen und dem Verzehr des Ersparten sei mit 218 Nennungen ebenfalls häufig angeführt worden. Weitere Gründe seien ambulante Angebote und lange Wartelisten der Altenhilfeeinrichtungen in der Region.

Nach Einschätzung der Caritas wird die Personalknappheit dazu führen, „dass Wartelisten in Altenhilfeeinrichtungen in Zukunft unvermeidlich sein werden“. Eine Offensive für die ambulante und teilstationäre Altenhilfe sei dringend erforderlich. „Wir können nicht warten, bis alle Babyboomer pflegebedürftig sind, bevor der Pflege-Turbo angeworfen wird“, betonte Welskop-Deffaa. „Der Anspruch einer ‚Zeitenwende‘ darf nicht nur auf Militärausgaben bezogen werden. Es braucht eine Zeitenwende für eine sorgende Gesellschaft.“ Für die Sicherung der ambulanten Pflegedienste, besonders auf dem Land, müsse es jetzt einen  Neustart geben, da schon jetzt mehr als die Hälfte der ambulanten Altenhilfeeinrichtungen unter Liquiditätstrückgang litten. (ter)

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