Bündnis fordert höhere Steuern auf Zucker, Tabak und Alkohol
Die Rufe nach einem Kurswechsel im Gesundheitswesen hin zu mehr Prävention werden lauter. Die Bundesärztekammer (Bäk) legte heute mit dem „Forum Gesundheitsziele“ der Gesellschaft für Versicherungswissenschaft und -gestaltung sowie der Bundesvereinigung für Prävention und Gesundheitsförderung ein Forderungspapier vor. Darin spricht sich das Bündnis für höhere Steuern auf Zucker, Tabak und Alkohol aus. „Deutschland gibt viel Geld für sein Gesundheitswesen aus, investiert dabei aber zu wenig in die Vorbeugung von Krankheiten“, sagte Bäk-Präsident Klaus Reinhardt.
Beim AOK-Präventionsgipfel Anfang März hatte sich auch Bundesgesundheitsministerin Nina Warken (CDU) für mehr Prävention stark gemacht. Die von ihr berufene Reformkommission liebäugelt laut Medienberichten ebenfalls mit Präventionssteuern auf Ungesundes. Schleswig-Holstein will zudem morgen im Bundesrat einen Vorstoß für eine Zuckersteuer auf Getränke unternehmen.
In ihrem Papier verweisen die Verbände auf die Weltgesundheitsbehörde WHO und ihren Health-in-all-Policies-Ansatz. Die Bundesregierung müsse Prävention und Gesundheitsförderung endlich ressortübergreifend verankern und Gesundheitsbildung in Schulen und Kitas stärken, so Reinhardt. Tabak, Alkohol und stark zuckerhaltige Waren müssten teurer werden, um einen gesünderen Lebensstil zu fördern. „Ein stärkerer Fokus auf Prävention würde die Lebensqualität der Menschen verbessern und zugleich das Gesundheitswesen auf lange Sicht entlasten.“ Dies sehen auch die Krankenkassen so. Eine „echte Präventionswende“ böte „die Chance auf mehr gesunde Lebensjahre, weniger Behandlungskosten und ein stabileres Gesundheitssystem“, sagte die Vorstandsvorsitzende des AOK-Bundesverbandes, Carola Reimann, jüngst.
Die von Warken eingesetzte Reformkommission will am kommenden Montag ihre Sparvorschläge vorlegen. Neben einem Aus für die kostenlose Mitversicherung von Ehepartnern diskutiert das Gremiun laut Medienberichten auch Präventionsabgaben auf Tabak, Alkohol und Zucker. Trotz einer Abfuhr beim CDU-Parteitag drängt auch Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Daniel Günther (CDU) weiter auf Maßnahmen. In einem Entschließungsantrag für die morgige Bundesratssitzung fordert sein Land eine Zuckersteuer auf Erfrischungsgetränke und eine Altersgrenze für den Kauf von Energy-Drinks. Dies soll vor allem Kinder schützen.
Laut dem Ende 2025 vorgelegten Public Health Index des AOK-Bundesverbandes und des Deutschen Krebsforschungszentrums zählt Deutschland bisher in Europa in der Präventionspolitik zu den Schlusslichtern. Unter den 18 untersuchten Ländern landete es nur auf Platz 17. So setze Deutschland bisher gerade jene Maßnahmen kaum um, die nachweislich am stärksten wirken – etwa höhere Preise und Werbebeschränkungen oder verbindliche Standards in der Ernährungsumgebung. Am besten schnitten Großbritannien, Finnland und Irland ab. (cm)
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