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Neue Terminbörse soll Warten auf Arzttermine verkürzen

18.06.2026 3 Min. Lesedauer

Wenige Wochen vor der parlamentarischen Sommerpause nimmt die Debatte um das von der Bundesregierung geplante Primärversorgungsmodell an Fahrt auf. Der Spitzenverband der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV-SV) konkretisierte jetzt seine Vorschläge. Herzstück ist ein neues digitales Navigationstool. Es solle helfen, die Behandlungsdringlichkeit einzuschätzen und Patienten gezielter durch das System zu steuern, erläuterte die stellvertretende Vorsitzende Stefanie Stoff-Ahnis. Zugleich könnten Versicherte auch Überweisungen und Termine elektronisch erhalten.

Laut Konzept des GKV-SV würden alle Praxen gesetzlich verpflichtet, einen festgelegten Teil ihrer Termine an ein Terminverzeichnis zu melden. Die Vergabe würde nach medizinischer Dringlichkeit erfolgen.

Hintergrund sind die Reformpläne von Bundesgesundheitsministerin Nina Warken (CDU). Sie will die ambulante Versorgung in Deutschland auf ein Primärversorgungsmodell umstellen. Union und SPD hatten dies auch in ihrem Koalitionsvertrag vereinbart. Einen ersten Gesetzentwurf kündigte Warken zuletzt für „Ende Sommer“ an. Ziel der Strukturreform ist es, unnötige Arztbesuche zu vermeiden und Wartezeiten auf Termine zu verkürzen.

Auch die Kassen sehen hier Reformbedarf. In Deutschland suchten Versicherte bisher häufiger einen Arzt auf als in vergleichbaren europäischen Ländern, sagte Stoff-Ahnis. Gründe seien eine mangelhafte Steuerung sowie falsche Vergütungsanreize über Quartalspauschalen. Auch der bisher direkte Zugang zu Fachärzten begünstige nicht-erforderliche Arztkontakte.

Auch der AOK-Bundesverband macht sich für ein Primärversorgungsmodell und eine bessere Steuerung stark. Die AOK-Gemeinschaft setzt ebenfalls auf eine gezieltere Ersteinschätzung. Diese soll über teambasierte Primärversorgungspraxen und flankierend über die Leitstellen beziehungsweise Terminservicestellen der Kassenärztlichen Vereinigungen erfolgen. Sowohl Primärversorger als auch Fachärzte sollen die Patienten weiter frei wählen dürfen, für den Zugang zu Fachärzten wäre eine Überweisung nötig. Ausgenommen davon blieben laut AOK-Konzept Kinder- und Jugend- sowie Frauenärzte. Auch chronisch Kranke sollen direkt zum betreffenden Facharzt gehen können.

Dagegen dämpfte das Zentralinstitut für die kassenärztliche Versorgung (ZI) mit Verweis auf Erfahrungen in anderen Ländern die Erwartungen an die Reform. Ein Primärversorgungssystem könne zwar die Zahl der Facharzt-Besuche senken, verkürze aber nicht unbedingt die Wartezeiten und senke auch nicht zwingend die Kosten. Ein Erfolg hänge auch von finanziellen Anreizen für die Patienten ab. „Versicherte reagieren stärker auf drohende finanzielle Nachteile als auf mögliche Vorteile“, so das ZI. (cm)
 

Medizinisches Personal spricht im Wartebereich einer Praxis mit einer Patientin, während andere Personen im Hintergrund sitzen.
Noch steht kein Konzept für das geplante Primärversorgungssystem in Deutschland. Als Vorbilder gelten Norwegen und Finnland. Dort haben sich nun Mitglieder des Bundestags-Gesundheitsausschusses umgeschaut. Dabei zeigte sich: Primärversorgungssysteme tragen in den skandinavischen Staaten zu einer besseren Steuerung bei, doch es gibt hierzulande noch…
17.02.2026Thorsten Severin, Tim Ende6 Min

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