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Mehr Delegation könnte Hausärztemangel beheben

02.03.2026 3 Min. Lesedauer

Eine Umverteilung von Aufgaben innerhalb einer Hausarztpraxis könnte einer Studie zufolge den Ärztemangel zeitnah beheben. Würden speziell qualifizierte Gesundheitsfachkräfte in größerem Umfang bestimmte ärztliche Aufgaben übernehmen, könnte so die Lücke von 8.200 fehlenden Hausärzten und Hausärztinnen bis 2030 geschlossen werden. Zu diesem Fazit kommt eine heute veröffentlichte Analyse der Bertelsmann-Stiftung. Die Ärzteschaft könnte demnach im Schnitt fast zwei Drittel ihres Zeitvolumens einsparen. Der Hausärztinnen- und Hausärzteverband (HÄV) sieht sich bestätigt, dass „Delegationskonzepte ein zentraler Hebel“ zur Sicherung der Versorgung seien. Dabei brauche es aber klare Strukturen.

Viel Entlastungspotenzial sehen die Studien-Autoren, wenn qualifizierte Fachkräfte vor allem anspruchsvolle, wiederkehrende Aufgaben übernähmen. Dazu zählten unter anderem diagnostische Verfahren wie Sonografien, Kontrolluntersuchungen bei chronischen Erkrankungen wie Diabetes oder Wundnachsorge. Dadurch hätten Hausärzte mehr Zeit für Patienten. Den steigenden Arztmangel in den kommenden vier Jahren könnten laut Studie rund 12.000 speziell geschulte Praxisassistentinnen und -assistenten auffangen.

Viele der benötigten Fachkräfte sind der Analyse zufolge bereits im System. Zudem könnten vorhandene Assistenzkräfte durch eine Weiterbildung oder ein Studium die erforderlichen Qualifikationen erwerben. Das ließe sich deutlich schneller und einfacher umsetzen, als zusätzliche Hausärzte auszubilden, so die Analyse.

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Der internationale Vergleich zeige, dass Deutschland Aufholbedarf habe. In vielen Ländern gebe es bereits eine Primärversorgung mit multiprofessionellen Teams, bei denen Gesundheitsfachkräfte Sprechstunden übernähmen und Patienten betreuten. Die Bundesregierung strebt ebenfalls ein Primärversorgungssystem mit neuen Gesundheitsberufen an, das 2028 erste Wirkungen entfalten soll, wie Gesundheitsministerin Nina Warken (CDU) zum Auftakt des Ausgestaltungsprozesses sagte.

Viel Rückhalt für eine solche Aufgabenverteilung gebe es sowohl in der Bevölkerung als auch bei der Ärzteschaft, ergaben repräsentative Umfragen für die Studie. Lediglich bei Hausbesuchen in akuten Fällen und der Dosierung von Arzneimitteln war die Akzeptanz eher gering. 

Der HÄV verwies mit Blick auf die Bertelsmann-Analyse darauf, dass er schon seit langem eine Verteilung der Arbeitslast auf mehrere Schultern fordert. Der entscheidende Punkt sei, „dass die Versorgung auch in Zukunft klar an einer Stelle gebündelt wird“, unterstrichen die HÄV-Vorsitzenden Nicola Buhlinger-Göpfarth und Markus Beier. „Arztpraxen light“ ohne Ärztinnen und Ärzte oder ähnliche Modelle lehne der HÄV ab. Für die Honorierung müsse statt des Arzt-Patienten-Kontaktes künftig der „Praxis-Patienten-Kontakt der Maßstab sein“. (imo)

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