Studie: Drei Viertel der Kliniken schreiben Verluste
Immer mehr Krankenhäuser in Deutschland geraten in eine finanzielle Schieflage. Drei Viertel schrieben 2024 Verluste, wie aus der heute veröffentlichten „Krankenhausstudie 2025“ der Unternehmensberatung Roland Berger hervorgeht. Dies sei ein deutlicher Anstieg verglichen mit den Vorjahren. Im Jahr 2019 hätten nur 32 Prozent der Häuser defizitär abgeschlossen. Das Bundesgesundheitsministerium (BMG) nannte die Situation „schwierig“, verwies aber auf die im Koalitionsvertrag vereinbarten zusätzlichen Mittel. Der AOK-Bundesverband machte die mangelnden Investitionen durch die Bundesländer als Kern des Problems aus.
„Nachdem bereits die vergangenen Jahre herausfordernd waren, hat sich die wirtschaftliche Lage der deutschen Krankenhäuser 2024 in einem bislang unbekannten Ausmaß zugespitzt“, kommentierte Studienautor Peter Magunia von Roland Berger die Ergebnisse. Kurzfristig gehen viele Einrichtungen von einer weiteren Verschlechterung ihrer Finanzlage aus. Langfristig ist die Stimmung dagegen optimistischer: Bis 2030 erwarten 51 Prozent der Krankenhäuser bessere Jahresergebnisse. „Grund für den verhaltenen Optimismus dürften die geplanten Maßnahmen der Krankenhausreform sein“, sagte Magunia. Die Studie basiert auf einer Befragung von rund 850 Führungskräften im deutschen Krankenhausmarkt.
Für die nächsten zehn Jahre würden den Krankenhäusern Mittel „in wirklich beträchtlicher Höhe“ zur Verfügung gestellt, sagte der neue Sprecher des Bundesgesundheitsministeriums, Hannes Böckler. Mit der Klinikreform würden „deutliche Investitionsförderungsstrukturen“ geschaffen. Darüber hinaus habe sich die Koalition auf eine Zwischenfinanzierung in Höhe von vier Milliarden Euro für die Häuser geeinigt.
AOK-Krankenhausexperte Jürgen Malzahn wies darauf hin, dass die Belegungsquote der Krankenhäuser zehn Prozent niedriger als 2019 sei. Ein umfassender Kapazitätsabbau sei jedoch ausgeblieben, sagte er G+G. Mittelfristig seien eher weniger als mehr Krankenhausfälle zu erwarten. Die Häuser müssten daher mehr investieren und die strategische Ausrichtung auf die verbleibenden Geschäftsfelder konzentrieren. Auch die Bundesländer seien am Zuge, ihrer gesetzlichen Verpflichtung nachzukommen und die Investitionskostenlücke von rund fünf Milliarden Euro jährlich zu schließen. Würde dies umgesetzt, wären die Betriebsergebnisse deutlich positiver. (at)
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