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Rating Report: Lage der Kliniken bleibt schlecht

27.06.2024 3 Min. Lesedauer

Mehr Kosten, weniger Einnahmen: Die Finanzlage der Krankenhäuser in Deutschland hat sich 2022 erneut verschlechtert. Jede zehnte Klinik meldete erhöhte Insolvenzgefahr und etwa jedes dritte Haus schrieb auf Konzernebene rote Zahlen. Das geht aus dem heute vorgelegten „Krankenhaus Rating Report 2024“ hervor. Als Gründe für die klamme Lage nannten die Autoren den Verlust der Pandemie-Hilfen bei weiterhin niedrigeren Behandlungszahlen verglichen mit Vor-Corona-Zeiten. Die Deutsche Krankenhausgesellschaft (DKG) bewertete den Report als „einen weiteren Weckruf“ für Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach.

Für den Fall, dass die heute in erster Lesung im Bundestag beratene Klinikreform scheitert, malen die Autoren des Reports ein düsteres Bild. Ohne die geplanten Maßnahmen dürfte der Anteil der insolvenzbedrohten Kliniken von 14 Prozent in diesem Jahr auf 48 Prozent im Jahr 2030 steigen. Der Anteil der Häuser mit Jahresverlust würde bereits 2024 den hohen Wert von rund 70 Prozent erreichen und bis zum Ende des Jahrzehnts etwa auf diesem Wert verharren.

Dagegen würden den Experten zufolge mit den Strukturveränderungen durch die Klinikreform 2030 nur noch 24 Prozent der Krankenhäuser insolvenzgefährdet sein, drei Viertel der Häuser würden wieder schwarze Zahlen schreiben. In der Übergangsphase der Reform zwischen 2024 und 2026 müssten die Kliniken aber noch einiges an wirtschaftlichen Problemen „mit sich herumschleppen“, schränkte Studienautor Boris Augurzky vom RWI-Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung ein. „Es wird alles gut, aber nicht sofort.“

Der Gesundheitsökonom, der auch Mitglied der Regierungskommission für die Krankenhausreform ist, rechnete vor, dass bis 2030 insgesamt 14 Milliarden Euro nötig wären, um die Differenz zwischen Kosten und Erlösen der Kliniken auszugleichen. Diese Finanzhilfen würden sich jedoch mit der Reform „beißen“, warnte Augurzky. „Wenn ich jetzt allen helfe, dann wird die Strukturveränderung nicht kommen.“ Die DKG bestritt diesen Zusammenhang. Die Reformbereitschaft der Kliniken sei sehr groß, erklärte der Verband.

Der Report wird jährlich gemeinsam vom RWI – Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung und dem Institute for Healthcare Business in Kooperation mit der Bank im Bistum Essen erstellt. Datengrundlage des Reports 2024 ist den Angaben nach eine Stichprobe von 488 Jahresabschlüssen von Krankenhäusern aus dem Jahr 2021 und 489 aus dem Jahr 2022. (at)

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