Update

Immer mehr Übergriffe gegen Mediziner

07.01.2026 2:30 Min. Lesedauer

Ärzte und andere Gesundheitsberufe erleben immer häufiger Übergriffe durch Patienten oder deren Angehörige. Laut einer heute vom Deutschen Ärzteblatt veröffentlichten Umfrage berichteten 56 Prozent der Teilnehmenden von Gewalt im Berufsalltag. Die Täter waren in mehr als zwei Drittel der Fälle „alleine handelnde männliche Personen“. Bundesärztekammer-Präsident Klaus Reinhardt begrüßte vor diesem Hintergrund den Entschluss der Bundesregierung, nicht nur den Rettungsdienst, sondern alle Gesundheitsberufe in das geplante „Gesetz zur Stärkung des strafrechtlichen Schutzes des Gemeinwesens“ einzubeziehen. In Berlin skizzierte er zudem die Prioritäten der Bundesärztekammer (BÄK) für 2026. Hierbei handele es sich um das „Schlüsseljahr der Gesundheitspolitik“.

Laut Umfrage erleben Ärzte, Praxismitarbeitende oder Pflegebeschäftigte vor allem verbale Übergriffe (89 Prozent), gefolgt von körperlicher Gewalt (47 Prozent). In 40 Prozent der Fälle gehe es um psychische Gewalt, zu 16 Prozent um Diskriminierung aufgrund von Herkunft oder Religion. Zu Vorfällen komme es vor allem im Anmelde- und Wartebereich der Praxen und in den Krankenhaus-Notaufnahmen. „Wer Helferinnen und Helfer angreift, zerstört das Vertrauensverhältnis, auf dem medizinische Versorgung beruht, und gefährdet damit die Funktionsfähigkeit unseres Gesundheitswesens“, sagte der Ärztepräsident. BÄK und Landesärztekammern seien dabei, ein eigenes Meldeportal für Übergriffe aufzubauen.

Reinhardt forderte die Bundesregierung auf, die gesetzliche Krankenversicherung (GKV) durch eine komplette Steuerfinanzierung der Gesundheitsversorgung von Bürgergeldempfängern und durch Absenken der Mehrwertsteuer für Medikamente auf sieben Prozent kurzfristig finanziell zu stabilisieren. Das schaffe „Luft für grundlegende Reformen“. Als wichtigste Aufgaben für 2026 nannte er den Abschluss der Gesetzgebung zur Krankenhausreform und ein Konzept für „verbindliche primärärztliche Einschreibemodelle“. 

Eine Kontaktpauschale für Arztbesuche halte die BÄK „nicht für sinnvoll“. Vorstellbar seien finanzielle Sanktionen für Patienten, die sich den in einem neuen System „angebotenen Strukturen von Koordination und Steuerung“ verweigerten. „Solidarität ist keine Einbahnstraße“, so der Mediziner. Zudem müsse man „sachlich und ohne Vorwürfe und Schuldzuweisungen“ darüber sprechen, warum Deutschland bei der Zahl der Arztkontakte und Krankenhausbehandlungen an der EU-Spitze stehe.

Reinhardt plädierte einmal mehr für zweckgebundene Abgaben auf Alkohol, Tabak und Zucker. Die Einnahmen müssten in die Gesundheitsprävention fließen. Dabei gehe es insbesondere darum, gesundheitsbewusstes Verhalten von Kindern und Jugendlichen zu fördern. Laut dem von AOK-Bundesverband, Krebsforschungszentrum Heidelberg und BÄK im Dezember vorgestellten Public-Health-Index hinke Deutschland bei der Gesundheitsförderung im europäischen Vergleich deutlich hinterher. (toro)

Optionale Felder sind gekennzeichnet.

Beitrag kommentieren

Alle Felder sind Pflichtfelder.

Datenschutzhinweis

Ihr Beitrag wird vor der Veröffentlichung von der Redaktion auf anstößige Inhalte überprüft. Wir verarbeiten und nutzen Ihren Namen und Ihren Kommentar ausschließlich für die Anzeige Ihres Beitrags. Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht, sondern lediglich für eventuelle Rückfragen an Sie im Rahmen der Freischaltung Ihres Kommentars verwendet. Die E-Mail-Adresse wird nach 60 Tagen gelöscht und maximal vier Wochen später aus dem Backup entfernt.

Allgemeine Informationen zur Datenverarbeitung und zu Ihren Betroffenenrechten und Beschwerdemöglichkeiten finden Sie unter https://www.aok.de/pp/datenschutzrechte. Bei Fragen wenden Sie sich an den AOK-Bundesverband, Rosenthaler Str. 31, 10178 Berlin oder an unseren Datenschutzbeauftragten über das Kontaktformular.

Pressekonferenz

Vorstellung des neuen Public Health Index

Wo steht Deutschland beim Thema Prävention im internationalen Vergleich?