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GKV-Ausgabenanstieg beschleunigt sich – Druck wächst

19.02.2026 3 Min. Lesedauer

Die gesetzlichen Krankenkassen sehen ohne rasche Reformen eine neue Welle von Beitragserhöhungen auf Versicherte und Arbeitgeber zurollen. Zwar schlossen sie das vergangene Jahr mit einem Plus von knapp 3,18 Milliarden Euro ab, aber die Ausgaben stiegen durch die Bank schneller als die Einnahmen. Das geht aus den G+G vorliegenden vorläufigen Finanzdaten der Kassenverbände für 2025 hervor. Um weitere Beitragserhöhungen zu vermeiden, müssten die Kosten „unverzüglich“ gebremst werden, mahnte Jens Martin Hoyer, stellvertretender Vorstandsvorsitzender des AOK-Bundesverbandes. Ähnlich äußerte sich der Ersatzkassenverband Vdek. Zu Jahresbeginn habe der tatsächliche durchschnittliche Zusatzbeitragssatz bereits bei 3,13 Prozent gelegen - „doppelt so hoch wie vor drei Jahren“, sagte Vorstandschefin Ulrike Elsner.

Die Ersatzkassen beendeten das Jahr 2025 mit einem Überschuss von knapp 1,5 Milliarden Euro. Die Innungskrankenkassen (IKK) brachten es auf 380 Millionen Euro. Die Betriebskrankenkassen (BKK) erzielten ein Plus von 755 Millionen Euro und die AOKs von 544 Millionen. Hoyer verwies darauf, dass der AOK-Überschuss gerade einmal zwei Tagesausgaben decke. Weitere Beitragserhöhungen seien „unvermeidbar“, sollte die Ausgabendynamik nicht rasch gebremst werden, sagte er G+G. Bundesgesundheitsministerin Nina Warken (CDU) hatte mehrfach versichert, die Beitragssätze stabil halten zu wollen. Viele Kassen hatten bereits 2025 ihren Zusatzbeitrag erhöhen müssen, auch um die gesetzlich vorgesehenen Rücklagen wieder aufzufüllen.

Laut den vorläufigen Finanzdaten stiegen die Ausgaben auch 2025 schneller als die Einnahmen und legten vor allem im letzten Quartal 2025 „rasant“ zu. Bei den AOKs schossen die Ausgaben um acht Prozent in die Höhe. Die Ersatzkassen verzeichneten einen Kostenanstieg je Versicherten von 7,5 Prozent und die IKK um zehn Prozent. Dagegen erwarte der GKV-Schätzerkreis bei den beitragspflichtigen Einnahmen gerade ein Plus von 5,4 Prozent. Sorgen bereiten den Kassen unter anderem die Ausgabensteigerungen in den Bereichen Krankenhaus, Arzneimittel und Heilmittel.

Damit wächst der Reformdruck auf die Politik. Die Kassen fordern eine kurzfristige Kostenbremse, die bereits 2026 greifen müsse. Darüber hinaus seien „flankierende Maßnahmen auf der Einnahmenseite und die Umsetzung umfassender struktureller Reformen zur Sicherstellung einer dauerhaft an den Einnahmen orientierten Ausgabenentwicklung“ nötig, sagte Hoyer. 

„Die Ausgabendynamik muss sofort gestoppt werden“, forderte heute auch Anne-Kathrin Klemm, Vorständin des BKK Dachverbandes. „Jede Verzögerung schlägt sich in weiter steigenden Beitragssätzen nieder, mit allen Konsequenzen für die Zufriedenheit der Versicherten und die Lohnnebenkosten.“ Ihr Verband mahnte „wirksame Maßnahmen zur Begrenzung des Ausgabenanstiegs“ sowie nachhaltige Struktur- und Finanzierungsreformen an. Vdek-Chefin Elsner sieht zudem den Bund in der Pflicht, die Gesundheitskosten von Bürgergeldempfängern kostendeckend zu übernehmen. (cm)
 

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