Angst vor Gewalt am Arbeitsplatz nimmt zu
Jeder fünfte Beschäftigte nimmt Gewalt und Bedrohung am Arbeitsplatz als Unfallrisiko wahr. Das geht aus einer Umfrage der Deutschen gesetzlichen Unfallversicherung (DGUV) hervor, die heute veröffentlicht wurde. Die Angst vor Übergriffen rangiert damit noch vor Risiken beim Umgang mit Maschinen, Werkzeugen oder gefährlichen Arbeitsmaterialien. Beim Thema Krisenresilienz gebe es für deutsche Betriebe noch deutlich Nachholbedarf, sagte Hauptgeschäftsführer Stephan Fasshauer.
2025 wurden der DGUV zufolge 730.598 Arbeitsunfälle gemeldet – 24.062 weniger als im Vorjahr. Die Zahl tödlicher Unfälle blieb mit 335 Opfern auf Vorjahresniveau (2024: 345). Die geringeren Unfallzahlen führte Fasshauer auf Präventionsmaßnahmen und eine bessere Sicherheitskultur zurück. Dazu trügen auch die von der DGUV ausgebildeten Sicherheitskräfte, Erst- und Brandschutzhelfer bei. Allein 2025 habe die DGUV 100.000 Sicherheitsbeauftragte und zwei Millionen Ersthelferinnen und Ersthelfer geschult.
Der heute vom Bundestagsausschuss für Arbeit gebilligte höhere Schwellenwert für Sicherheitsbeauftragte beeinträchtige den Arbeitsschutz nicht, sagte Fasshauer. „Entscheidend ist nicht die Betriebsgröße, sondern die konkrete Unfallgefahr.“ Laut Gesetzentwurf sollen nur noch Unternehmen mit mehr als 50 Beschäftigten pauschal Sicherheitsbeauftragte benennen. Aktuell liegt der Wert bei 20 Mitarbeitenden. Bei entsprechender Gefahrenlage könne die DGUV auch künftig kleinere Betriebe zur Benennung verpflichten, betonte Fasshauer.
Zwei Drittel der für das „Barometer Arbeitswelt 2026“ befragten Beschäftigten sehen ihr Unternehmen ausreichend auf Krisen und Störfälle vorbereitet, wie zum Beispiel Pandemien, Brände, Explosionen oder Cyberangriffe. Mit Blick auf Lieferketten-Ausfälle, Gewaltereignisse (Anschläge, Amoklauf), Naturkatastrophen oder längere Stromausfälle hält jedoch nur ein Drittel den eigenen Betrieb für gut aufgestellt.
Am Arbeitsplatz sehen sich Beschäftigte vor allem Belastungen durch die Arbeitsorganisation (50 Prozent), durch Arbeitsinhalte (35 Prozent) und soziale Beziehungen (29 Prozent) ausgesetzt. Weniger häufig genannt wurden körperliche Belastungen (20 Prozent) oder Gefahren durch Arbeitsmittel (acht Prozent). In 65 Prozent der einbezogenen Firmen fand 2025 eine Gefährdungsbeurteilung statt. In 48 Prozent der Fälle wurde dabei auch die psychische Belastung durch Zeit- oder Leistungsdruck, Konflikte oder den Informationsfluss erfasst. 56 Prozent der einbezogenen Unternehmen betrachten „ein Übermaß an Bürokratie“ als größte wirtschaftliche Herausforderung, gefolgt von Personalmangel (51 Prozent) und Inflation (41 Prozent). (toro)
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