AOK für umfassende Reform der Preisregulierung von Arzneimitteln
Angesichts stark gestiegener Arzneimittelausgaben in der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) und eines ersten Treffens der Arbeitsgruppe Preisbildung beim Pharma-Dialog macht sich der AOK-Bundesverband für umfassende Änderungen im Arzneimittelmarkt stark. Der Verband kritisiert in einem Positionspapier vor allem die freie Preisfestsetzung bei patentgeschützten Arzneien, die zu „extrem hohen Preisen“ führe. Zudem fordert der Verband, die in der vergangenen Legislaturperiode eingeführten Geheimpreise wieder zurückzunehmen.
„Im aktuellen Koalitionsvertrag wurde das Ziel definiert, den Zugang zu innovativen Therapien und Arzneimitteln bei einer gleichzeitig tragbaren Finanzierung sicherzustellen“, sagte AOK-Verbandschefin Carola Reimann heute in Berlin. Davon sei Deutschland aktuell weit entfernt. Notwendig seien gerade mit Blick auf die angespannte Lage der GKV umfassende und zügige Reformen.
Hauptkostentreiber bei den Arzneimittelausgaben, die laut AOK im Jahr 2024 bei 59,3 Milliarden Euro lagen und damit neun Prozent höher als im Vorjahr waren, seien patentgeschützte Präparate. Für diese können die Hersteller den Preis in den ersten sechs Monaten ab Markteinstieg frei festsetzen. „Damit das System finanzierbar bleibt, fordern wir einen Interimspreis ab Marktzugang, welcher sich an der Höhe der zweckmäßigen Vergleichstherapie orientiert und als vorläufige Rechengröße gilt“, erläuterte Reimann. Außerdem forderte sie, faire Verhandlungskorridore für die nachgelagerten Verhandlungen zum Erstattungsbetrag festzulegen.
Neben der Rücknahme der Möglichkeit zu geheimen Preisverhandlungen, mit der seit Anfang 2025 vertrauliche und nicht öffentliche Erstattungsbeträge abgesprochen werden können, fordert die AOK-Gemeinschaft auch, dass Ärztinnen und Ärzte mehr Möglichkeiten bekommen, Arzneimittel über ihre Systeme auch nach ökonomischen Gesichtspunkten auszuwählen.
In Anbetracht der mehr als verdoppelten GKV-Ausgaben für Impfstoffe von 1,15 Milliarden Euro im Jahr 2015 auf 2,71 Milliarden Euro im Jahr 2024 sollte es nach Ansicht der AOK auch bei Impfpräparaten eine Preisregulierung geben. Ein weiteres Problem sei, dass bei Medikamenten gegen seltene Erkrankungen keine Nutzenbewertung vorgeschrieben sei. Die AOK-Gemeinschaft schlägt daher vor, Arzneimittel mit unsicherer Evidenz künftig ausschließlich in qualifizierten Zentren für Fälle mit hohem medizinischem Bedarf einzusetzen.
Angesichts von Lieferengpässen bei Medikamenten, welche es häufig im Winter gibt, weist die AOK zudem auf die Effektivität von Rabattverträgen hin, die ein „geeignetes Instrument für die Sicherung der Versorgung und der Wirtschaftlichkeit“ seien, weil sie vertragliche Regelungen mit Auflagen zur Bevorratung und Lieferfähigkeit enthielten. Diese Möglichkeit sollte daher nicht eingeschränkt werden. (tie)
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