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Fachleute beklagen Marktversagen bei Antibiotikaforschung

16.06.2026 2 Min. Lesedauer

Obwohl Antibiotikaresistenzen eine der drängendsten globalen Gesundheitsbedrohungen sind, hinkt die Forschung laut Fachleuten hinterher. „Da Antibiotika kurz eingesetzt, schnell ersetzt und niedrig bepreist werden, ist ihre Entwicklung für pharmazeutische Unternehmen wirtschaftlich kaum attraktiv“, monierte Maria Vehreschild, Vorsitzende der Deutschen Gesellschaft für Infektiologie (DGI), heute im Vorfeld des Kongresses für Infektionskrankheiten und Tropenmedizin. Dabei werde der Handlungsbedarf immer drängender. Die stille Pandemie durch multiresistente Erreger führe zu Millionen Todesfällen. Bis 2050 könnten es weltweit drei Tote pro Minute sein.

Nationale Ansätze wie die Reserveantibiotika-Regelung setzten zwar erste Anreize, doch eine international koordinierte Lösung – etwa durch übertragbare Exklusivitätsgutscheine oder garantierte Markteinnahmen – fehle weiterhin, sagte Vehreschild. Auch die fehlende Schnelldiagnostik bleibe ein gravierendes Problem im klinischen Alltag. Darüber hinaus bestünden erhebliche regulatorische Hürden für neuartige Therapieansätze, kritisierte die Expertin. Insbesondere personalisierte biologische Therapien wie zum Beispiel Bakteriophagen, die bei multiresistenten Erregern vielversprechend wirkten, seien in Deutschland bisher nicht einsetzbar. Während Länder wie Belgien und Frankreich bereits pragmatische Rahmenbedingungen geschaffen hätten, gebe es hierzulande keine entsprechende Regelung.

Die häufig unterschätzten Spätfolgen einer Infektionskrankheit stellte Leif Erik Sander von der Berliner Charité heraus. Noch Wochen nach einer Infektion gebe es ein erhöhtes Risiko für Herzinfarkte und Schlaganfälle. Schätzungen zufolge seien fünf bis zehn Prozent aller Herz-Kreislauf-Ereignisse zumindest durch vorangegangene Infektionen mitausgelöst, erklärte Sander. Ein anderer Faktor seien die volkswirtschaftlichen Auswirkungen von Atemwegsinfektionen. „Arbeitsausfälle und Produktivitätsverluste durch Infektionskrankheiten sind erheblich“, betonte der Infektiologe mit Blick auf Milliardenverluste durch Grippe. Er forderte, effektive Präventionskonzepte und Impfprogramme sowie die Infektiologie zum zentralen Bestandteil moderner Gesundheitsversorgung zu machen. 

Als „Warnsignal“ bezeichnete Thorsten Feldt, Vorsitzender der Deutschen Gesellschaft für Tropenmedizin, Reisemedizin und Globale Gesundheit (DTG), die jüngsten Ausbrüche des Hantavirus und des Ebolavirus. „Sie zeigen, dass das Risiko von Häufungen und Ausbrüchen gefährlicher Infektionskrankheiten hoch ist und in den vergangenen Jahren zugenommen hat.“ Trotz langjähriger Kenntnis der Erreger gebe es für beide Erkrankungen keine Therapieoptionen oder Impfungen. Um die Versorgung zu gewährleisten, fordert die DGI die sieben Sonderisolierstationen hierzulande als wesentlichen Teil der nationalen Pandemie- und Epidemievorsorge “langfristig finanziell abzusichern“. Auf einer der Stationen war zuletzt ein Ebola-Patient aus den USA behandelt worden. (imo)


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