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Alkohol ist in Deutschland besonders billig

05.01.2026 3:00 Min. Lesedauer

Alkoholische Getränke sind in Deutschland so preisgünstig wie in fast keinem anderen EU-Land. Die Einzelhandelspreise für Wein, Schnaps und Bier lagen im Oktober 2025 in Deutschland 14 Prozent unter dem EU-Durchschnitt, zeigt eine heute veröffentlichte Erhebung des Statistischen Bundesamtes (Destatis). Lediglich in Italien war Alkohol noch günstiger (minus 19 Prozent). Insgesamt ist der Konsum hierzulande zwar rückläufig, doch im EU-Vergleich hoch. Experten fordern deshalb höhere Abgaben auf Alkohol. Die aktuelle Preispolitik führe „zu ungünstigen Entwicklungen für die Gesundheit und die Staatsfinanzen“, mahnte Suchtforscher Jakob Manthey gegenüber G+G.

In Nordeuropa sind alkoholische Getränke laut Statistiker besonders teuer. In Finnland war das Preisniveau für Alkohol EU-weit demnach am höchsten und lag 110 Prozent über dem Schnitt. In Dänemark kostete Alkohol im Erhebungszeitraum 23 Prozent mehr im Vergleich. Auch in anderen deutschen Nachbarländern wie Belgien (plus 13 Prozent) und Polen (plus neun Prozent) war Alkohol teurer. Unter dem EU-Schnitt lagen neben Deutschland Tschechien (minus sieben Prozent) und Österreich (minus elf Prozent).

Die Deutschen konsumieren laut Weltgesundheitsorganisation (WHO) relativ viel Alkohol. Im Jahr 2022 wurden 11,2 Liter reiner Alkohol pro Person ab 15 Jahren getrunken – das entspricht umgerechnet 448 Gläsern Bier. Der Konsum ist damit aber leicht rückläufig: Vor zehn Jahren waren es noch 12,1 Liter pro Kopf. Im Vergleich lag Deutschland 2022 beim Pro-Kopf-Verbrauch zusammen mit Frankreich und Portugal auf Platz neun. Immer mehr Deutsche verzichten etwa im sogenannten Dry January zugunsten ihrer Gesundheit auf Alkohol.

Das „verlorene Potenzial“ durch die geringen Preise bei alkoholischen Getränken machte Suchtforscher Manthey im jüngsten „Jahrbuch Sucht“ deutlich. „Würde man die Verbrauchsteuern auf alkoholische Getränke auf ein Niveau erhöhen, dass die Verkaufspreise um etwa fünf Prozent anstiegen (…) ließen sich zusätzliche 1,4 Milliarden Euro Steuereinnahmen generieren (plus 44 Prozent)“, rechnete er vor. Das könnte zudem den Konsum senken und den Tod von etwa 850 Personen in einem Jahr hinauszögern.

Auch das Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit (BIÖG) teilte auf G+G-Anfrage mit, der Preis habe „einen wesentlichen Einfluss auf den Gesamtkonsum in der Bevölkerung“. Um den Verbrauch zu senken und Suchtrisiken zu verringern, gelte eine Kombination aus Verhaltensprävention (Aufklärung) und „verhältnispräventiven Ansätzen“ wie höhere Preise, beschränkte Verfügbarkeit und Werbeverbote als besonders sinnvoll, erläuterte Stephanie Eckhardt, Referatsleiterin Suchtprävention.

Den dringenden Handlungsbedarf hinsichtlich des Umgangs mit Alkohol zeigte kürzlich auch der Public Health Index des AOK-Bundesverbandes und des Deutschen Krebsforschungszentrums auf. Die Politik sei gefordert, „die gesunde Wahl zur einfacheren und leichteren Wahl im Alltag zu machen und systematisch gesunde Umgebungen zu schaffen“, forderte die Vorständin des AOK-Bundesverbandes, Carola Reimann. Auch Bundesärztekammer-Präsident Klaus Reinhardt hat mehrfach deutlich gemacht, dass er bei Prävention und Gesundheitsförderung in Deutschland erheblichen Nachholbedarf sieht. Er fordert höhere Steuern auf Alkohol, Nikotin und Zucker. 

Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) empfiehlt den kompletten Verzicht auf Alkohol, da dieser für mehr als 200 negative gesundheitliche Folgen wie zahlreiche Krankheiten und Unfälle mitverantwortlich sei. (imo/sev)

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