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Ärztekammer-Präsident wirbt für Primärarzt-Modell

02.01.2024 2 Min. Lesedauer

Angesichts von Fachkräftemangel und demografischem Wandel fordern die Ärzte ein Umsteuern in der Gesundheitspolitik. „Wir sind im Gesundheitswesen an einem Punkt angelangt, an dem ein ‚Weiter so‘ unmöglich ist“, warnte der Präsident der Bundesärztekammer (BÄK), Klaus Reinhardt, im Gespräch mit dem „Redaktionsnetzwerk Deutschland“. Geld und Personal würden knapp; immer mehr Ärzte gingen demnächst in den Ruhestand. Daher brauche es Konzepte, „wie wir die finanziellen und personellen Ressourcen so effizient wie möglich einsetzen“.

Um die knappen Ressourcen im Gesundheitssystem besser zu nutzen, machte sich Reinhardt für ein Primärarzt-Modell stark. „Es gibt keinerlei Strukturierung der Inanspruchnahme oder eine Steuerung der Patientinnen und Patienten“, monierte der BÄK-Chef. Dies sei nicht nur ineffizient, sondern potenziell gefährlich, weil parallel verschiedene Ärzte unwissentlich Medikamente verschreiben könnten, die Wechselwirkungen hätten. Stattdessen solle ein Primärarzt, etwa ein Hausarzt, einen Behandlungspfad festlegen und bei Bedarf Überweisungen an andere Mediziner ausstellen.

Patientinnen und Patienten sollten ihren Primärarzt frei wählen können, erläuterte Reinhardt. Zu bestimmten Fachärzten, etwa Gynäkologen, sollten die Versicherten aber auch künftig direkt gehen können. Wer sich an dem Primärarzt-Modell beteilige, solle einen finanziellen Vorteil gegenüber denjenigen haben, die das Gesundheitswesen weiterhin ohne Steuerung in Anspruch nehmen wollten. „Ich halte diesen Vorschlag für absolut diskussionswürdig“, fügte Reinhardt hinzu. Es sei falsch, dass einzelne Gesundheitspolitiker diese Form der Selbstbeteiligung tabuisierten.

Momentan ist das Verhältnis zwischen Ärzten und Regierung stark angespannt. Zwischen den Jahren hatten viele niedergelassene Mediziner ihre Praxen aus Protest gegen die Politik von Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach geschlossen gehalten. Der dreitägigen Protestaktion, die vom Virchowbund initiiert wurde, könnten neue Aktionen folgen. Der Vorsitzende des Virchowbundes, Dirk Heinrich, schloss weitere Schließungen nicht aus, falls das geplante Spitzentreffen der Ärzte mit Lauterbach am 9. Januar ohne ein Ergebnis bleibe. Lauterbach lehnt bislang die Forderungen der Ärzte nach mehr Geld ab. Unterstützung erhielt Heinrich vom Chef der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV), Andreas Gassen. „Wir laufen in ein ganz schwieriges Jahr 2024, wenn Karl Lauterbach weiter blockiert“, sagte Gassen der „Bild“. Aufgrund von Personalmangel und mangelnder finanzieller Ausstattung werde 2024 „das Jahr der langen Wartezeiten“. (at)

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