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Adipositas: Prävention und besseren Therapiezugang gefordert

21.01.2026 2:30 Min. Lesedauer

Die Akademie der Wissenschaften Leopoldina warnt vor der zunehmenden Verbreitung von Adipositas in Deutschland. In einem neuen Policy Brief empfehlen die Expertinnen und Experten, Prävention und Therapie stärker zu verzahnen, etwa durch Abgaben auf besonders zuckerhaltige Lebensmittel und einen leichteren Zugang zu medikamentösen Behandlungen.

Laut dem Bericht ist jedes sechste Kind übergewichtig oder sogar stark übergewichtig. Bei Erwachsenen betrifft es rund zwei Drittel der Männer und etwa die Hälfte der Frauen. Fachgesellschaften sprächen „gar von einer Adipositas-Epidemie“. Adipositas gilt ab einem Body-Mass-Index von 30 als chronische Krankheit mit hohem Risiko für Folgeerkrankungen wie Herzinfarkt, Typ-2-Diabetes oder Krebs.

Das Papier verweist auf die hohen gesellschaftlichen Kosten von starkem Übergewicht. Diese belaufen sich laut Schätzung auf etwa 2,6 Prozent des Bruttoinlandsprodukts, rund 113 Milliarden Euro. Darüber hinaus betont der Policy Brief die sozialen Auswirkungen für die Betroffenen, darunter Diskriminierung und eingeschränkte Teilhabe.

Die Leopoldina rät, Prävention und Behandlung enger zu verbinden. Dazu zählen frühe Maßnahmen zur Gesundheits- und Bewegungsförderung in Schwangerschaft, Kitas und Schulen. Zusätzlich verweisen die Autorinnen und Autoren darauf, dass Abgaben auf stark zucker- oder fettreiche Lebensmittel etwa im Vereinigten Königreich „große Wirkung erzielt“ hätten. Zudem machen sie sich für steuerliche Entlastungen gesunder Lebensmittel stark. Werbung für ungesunde Nahrung solle eingeschränkt werden – vor allem diejenige, die sich an Kinder und Jugendliche richtet. Außerdem plädieren die Forscherinnen und Forscher für eine nationale Präventionsinitiative, um Maßnahmen besser zu koordinieren und die Datenlage zu verbessern.

Für die Behandlung von Adipositas raten die Fachleute zu individuell abgestimmten Therapiekonzepten, die Medikamente, Lebensstiländerungen, psychologische Unterstützung und bei Bedarf operative Eingriffe kombinieren. Im Policy Brief fordern sie auch einen besseren Zugang zu modernen Adipositas-Arzneimitteln wie der „Abnehmspritze“, deren Kosten bislang in der Regel nicht von den gesetzlichen Krankenkassen erstattet werden. 

Der vom AOK-Bundesverband gemeinsam mit dem Deutschen Krebsforschungszentrum (DKFZ) veröffentlichte Public Health Index hatte kürzlich aufgezeigt, dass es hierzulande bei der Prävention erheblichen Aufholbedarf gibt. Im europäischen Vergleich landete Deutschland auf Rang 17 von 18 und zählt damit zu den Schlusslichtern. (sr)

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