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Apothekerschaft ruft Frühling der Proteste aus

29.01.2026 2 Min. Lesedauer

Am Vortag der ersten Bundesratsberatungen zur Apothekenreform hat die Apothekerschaft einen „Frühling der Proteste“ ausgerufen. Die Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände (Abda) kritisierte die Reformpläne des Bundesgesundheitsministeriums scharf. Zwar ziele der Gesetzentwurf zur Weiterentwicklung der Apothekenversorgung (ApoVWG) auf den Erhalt der Vor-Ort-Apotheken, jedoch „ohne die im Koalitionsvertrag versprochene Honoraranpassung“. Abda-Präsident Thomas Preis kündigte für das Frühjahr 2026 bundesweite Proteste an.

Unter dem Motto „Uns gibt’s nicht zum Nulltarif“ sollen Kampagnen im öffentlichen Raum und in sozialen Medien auf die wirtschaftliche Lage aufmerksam machen. Preis unterstrich die Bedeutung der öffentlichen Apotheken für die Primärversorgung. „Apotheken gehören zur Daseinsvorsorge“, sagte er. Mit täglich mehr als drei Millionen Beratungsgesprächen, dazu noch Leistungen wie Notdiensten, individuell angefertigten Arzneimitteln und Botendiensten leisteten sie einen „großen Beitrag zur Entlastung der sozialen Versorgungssysteme“. Angesichts des Trends zur Ambulantisierung brauche es mehr Apotheken vor Ort – zur Sicherung der Sofortversorgung und Resilienz des Systems auch in Krisenzeiten. Zudem verwies er auf neue Versorgungsleistungen wie Impfangebote, die zu höheren Impfquoten beitrügen.

Illustration (farblich gehalten in lila): Aus der Vogelperspektive sind 5 Menschen in einem Raum zu sehen. Sie stehen um einen Sockel herum, auf dem ein Tablett mit der Aufschrift "Zusatznutzen" steht und in dessen Mitte liegt eine goldene Pille. Die Person links im Bild hat ein Preisschild in seiner Hand, auf dem ein Eurozeichen abgebildet ist. Von oben kommt ein Lichtkegel, der die Pille und das Tablett besonders hervorhebt.
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Aus Sicht der Abda greift das Reformpaket zu kurz. Seit 2013 sei die Zahl der öffentlichen Apotheken um rund 20 Prozent gesunken – ein Trend, der sich „nur durch die Politik“ aufhalten lasse, so Preis. Zugleich sei der Anteil des Apothekenhonorars an den Ausgaben der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) von 2,4 Prozent im Jahr 2013 auf 1,8 Prozent im Jahr 2024 gefallen. Stark steigende Kosten, besonders beim Personal, setzten die Betriebe zusätzlich unter Druck. Rund ein Drittel der Apotheken sei wirtschaftlich belastet. „Wir haben keine Chance, das zu kompensieren“, sagte Preis.

Rückenwind erhält die Apothekerschaft aus Thüringen. Das Bundesland will im Bundesrat eine eigene Initiative einbringen. Gesundheitsministerin Katharina Schenk betonte: „Apotheken brauchen tragfähige und praxistaugliche Rahmenbedingungen.“ Ziel sei es, die Verdrängung inhabergeführter Apotheken zu verhindern.

Zentraler Streitpunkt bleibt das Apothekenpackungsfixum, der feste Betrag, den Apotheken pro abgegebener verschreibungspflichtiger Arzneimittelpackung erhalten. Im Koalitionsvertrag ist eine einmalige Erhöhung auf 9,50 Euro vereinbart. Umso größer sei der Schock gewesen, dass vorerst keine Honorarerhöhung komme, so der Abda-Präsident. Bis heute gebe es „keinen fixen Fahrplan“. „Wir bringen eine volle Leistung, dafür brauchen wir aber auch einen finanziellen Ausgleich“, forderte er. (sr)

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