„Die Politik muss den Rahmen setzen
Was die Krankenkassen bei der Prävention tun und was sie sich wünschen, erläutert Maren Diebel-Ebers, alternierende Verwaltungsratsvorsitzende der AOK Baden-Württemberg.
Frau Diebel-Ebers, was tun die gesetzlichen Krankenkassen konkret für die Prävention?
Maren Diebel-Ebers: 2024 haben die Krankenkassen rund 686 Millionen Euro für Prävention ausgegeben. Damit wurden Millionen Menschen in Lebenswelten, Betrieben und über individuelle Präventionsangebote erreicht. Gute Prävention umfasst aber mehr als die Finanzierung von Kursen. Es geht darum, Risiken früh zu erkennen, Menschen gezielt zu begleiten und Prävention enger mit der Versorgung zu verknüpfen. Genau diesen Weg geht die AOK Baden-Württemberg. Mit AOK-MehrVomLeben werden Menschen mit ersten lebensstilbedingten Risiken im Rahmen der hausarztzentrierten Versorgung und gemeinsam mit AOK-Gesundheitscoaches über einen längeren Zeitraum intensiv begleitet.
Wo sehen Sie noch ungenutzte Potenziale?
Diebel-Ebers: Ein zentraler Ansatzpunkt ist die Prävention bei Kindern und Jugendlichen. Wenn Übergewicht, frühe Stoffwechselrisiken und psychische Belastungen schon in jungen Jahren zunehmen, werden spätere chronische Verläufe wahrscheinlicher. Gesundheit muss daher verpflichtend in die Lehrpläne. Ernährung, Bewegung, psychische Gesundheit und Medienkompetenz müssen zusammen gedacht werden. Als Kasse können wir viel anstoßen, unterstützen und Verantwortung übernehmen. Die entscheidenden Rahmenbedingungen muss aber die Politik setzen.
„Wir brauchen einen echten Wandel von der Reparatur zur Prävention.“
Alternierende Verwaltungsratsvorsitzende der AOK Baden-Württemberg
Welche politischen Weichenstellungen wünschen Sie sich?
Diebel-Ebers: Wir brauchen einen echten Wandel von der Reparatur zur Prävention. Sie ist eine Voraussetzung dafür, Versorgung bezahlbar und leistungsfähig zu halten. Dazu gehören Instrumente wie eine Zuckersteuer, verbindliche Gesundheitsbildung in Schulen und Kitas, stärkere Präventionsanreize im System sowie ein konsequenteres Mitdenken von Gesundheit in allen Politikbereichen. Entscheidend ist, dass wir Menschen früh erreichen, chronische Verläufe verzögern, die Funktionsfähigkeit länger erhalten und ihnen damit mehr gesunde Lebensjahre ermöglichen.
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