„Ergebnisse im Herbst kommen viel zu spät“
Für die angeschlagene Pflegeversicherung sind laut Knut Lambertin, alternierender Verwaltungsratsvorsitzender der AOK Nordost (Vertreter der Versicherten), zeitnah Entscheidungen gefragt.
Herr Lambertin, bis 2029 könnte das Defizit der Pflegeversicherung im zweistelligen Milliardenbereich liegen. Eine Lücke von 3,2 Milliarden Euro wurde schon 2026 von der Regierung durch ein Darlehen geschlossen. Woher kommen die Defizite?
Knut Lambertin: Es treffen mehrere Faktoren zusammen: Die Zahl der Leistungsbeziehenden steigt, die Pflegebedürftigkeit nimmt aufgrund der demografischen Entwicklung zu und, wie überall, steigen bei der Pflege die Preise. Auch in den kommenden Jahren wächst der Anteil pflegebedürftiger Menschen. Die soziale Pflegeversicherung über Kredite zu finanzieren, kann nur eine kurze Überbrückung zur Aufrechterhaltung der Zahlungsfähigkeit sein. Zumindest müsste die Finanzierung der versicherungsfremden Leistungen aus Steuermitteln erfolgen.
Was ist das Problem an einem Darlehen?
Lambertin: Jeder weiß, dass ein Kredit irgendwann zurückgezahlt werden muss. Die 3,2 Milliarden Euro müssen von 2029 bis 2033 von den Pflegekassen beglichen werden. Das ist grotesk, denn die finanzielle Grundlage wird ja eher kleiner. Die Unterstützung Pflegebedürftiger ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe. Die Regierung versucht, sich hier wegzuducken.
„Die Unterstützung Pflegebedürftiger ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe.“
Alternierender Verwaltungsratsvorsitzender der AOK Nordost (Vertreter der Versicherten)
Was erwarten Sie von der Pflegekommission?
Lambertin: In der Arbeitsgruppe „Zukunftspakt Pflege“ beraten ausschließlich Vertreterinnen und Vertreter von Bund, Ländern und Kommunen. Das macht die politische Ratlosigkeit auf höchster Ebene deutlich. Die vorgelegte „Roadmap“ bleibt in den entscheidenden Fragen vage und stiftet mehr Verwirrung als Orientierung. Was wir brauchen, sind zeitnahe Entscheidungen für eine nachhaltige Struktur- und Finanzierungsreform der Pflegeversicherung und der pflegerischen Versorgung. Die Kommission will erst Ende des Jahres konkrete Ergebnisse vorlegen. Das ist viel zu spät. Die Regierung sowie Bundesländer und Kommunen müssen endlich aufwachen und handeln – im Interesse der Menschen, die auf pflegerische Versorgung zu leistbaren Preisen angewiesen sind.
Mitwirkende des Beitrags
Autor
Datenschutzhinweis
Ihr Beitrag wird vor der Veröffentlichung von der Redaktion auf anstößige Inhalte überprüft. Wir verarbeiten und nutzen Ihren Namen und Ihren Kommentar ausschließlich für die Anzeige Ihres Beitrags. Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht, sondern lediglich für eventuelle Rückfragen an Sie im Rahmen der Freischaltung Ihres Kommentars verwendet. Die E-Mail-Adresse wird nach 60 Tagen gelöscht und maximal vier Wochen später aus dem Backup entfernt.
Allgemeine Informationen zur Datenverarbeitung und zu Ihren Betroffenenrechten und Beschwerdemöglichkeiten finden Sie unter https://www.aok.de/pp/datenschutzrechte. Bei Fragen wenden Sie sich an den AOK-Bundesverband, Rosenthaler Str. 31, 10178 Berlin oder an unseren Datenschutzbeauftragten über das Kontaktformular.